Object: Neueste Zeit (Abt. 3)

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vierundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. 
ind der Welt gewonnen wurde, gelang es für den immer noch 
zunehmenden Reichtum nicht bloß neuer Reize, sondern nun 
auch schon neuer Zwecksetzungen und neuen praktischen und 
schließlich sittlichen Handelns allmählich auch eine neue Syn⸗ 
these praktischer Weltanschauung zu entwickeln: wir werden 
sehen, wie die scheinbar so abstrakten Spekulationen der Jugend 
Fichtes schon unbewußt von historischem Instinkt durchsetzt 
baren, wie dann die von dem genetischen Gedanken tief durch⸗ 
tränkte Philosophie Schellings emporblühte, und wie beiden 
schon, noch mehr aber allen späteren, zumeist christlich durch— 
färbten Spekulationen der Romantik bis hin zum Hegelschen 
System die Durchbildung ebenso einer historischen Weltanschau⸗ 
ung wie einer neuen Form des Gewissens zugrunde lag. 
Daneben wurden freilich die enthusiastischen Überlieferungen 
der Frühzeit des Subjektivismus noch keineswegs aufgegeben. 
Wie im klassizistischen Idealismus Schiller, als der Haupt⸗ 
dolmetsch und Herold der hierhergehörigen Empfindungsreihe, 
den Einzug in das Land einer neuen Sittlichkeit nur durch 
das Morgentor des Schönen als möglich vorstellte, so war 
auch noch der romantische Idealismus überzeugt, daß Wirklich⸗ 
keit ohne Poesie nicht bestehen könne. „So wie es trotz aller 
Sinne ohne Phantasie keine Außenwelt gibt, so auch mit allem 
Sinn ohne Gemüt keine Geisterwelt. Wer nur Sinn hat, sieht 
keinen Menschen, sondern bloß Menschliches: dem Zauberstabe 
des Gemüts allein tut sich alles auf. Es setzt Menschen und 
ergreift sie; es schaut an wie das Auge, ohne sich seiner 
mathematischen Operation bewußt zu sein.“ In der Tat, das 
war es: die Abklärung des leidenschaftlichen Enthusiasmus der 
Frühzeit zu einem alles einhüllenden und alles durchdringenden 
Oden des Gemüts: was die Zeit kennzeichnete. Aber immer 
klarer und durchsichtiger, wie ein fließender Hauch reinster 
Abendluft, wenn Wald und Feld ein letztes Wehen durch⸗ 
zieht, kommt dies Gefühlsmoment zum Vorschein. In ihm 
wird damit, im Bereiche der Dichtung, die Seele zum Schau— 
platz wechselndster Gefühle, und neben eine Lyrik von tiefem 
Pathos stellt sich eine Gedankendichtung, welche die dichterische
	        
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