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und in der zn breiten Erörterung formalistisch logischer Era-
pn bekundet. Der zweite Bostandtheil der Macleodschen Scho-
astik ist etwas moderner, indem sonderbarerweise auch noch
Baconische Schemata nicht ohne Geschick, aber doch ohne
sachlichen Erfolg herbeigezogen werden, um über Gestalt und
Gültigkeit volkswirthscliaftlicher Naturgesetze zu entscheiden.
Als drittes, wieder um einen Grad moderneres Element tritt
der Gebrauch naturwissenschaftlicher Analogien und der An
spruch hinzu, die mathematischen Vorstcllungsartcn für das
ökonomische Denken zu verwerthon. Obwohl in letzterer Ilin-
' nicht der bekannte übel angebrachte Gebrauch von ana-
ytischen Formeln zu constatiren ist, so kann man dennoch nicht
umhin, die fraglichen Wendungen für diejenige Art der Scho-
astik zu erklären, in welcher die Vorstellungsarten des ma
thematischen Gebiets ähnlich gehandhabt werden, wie die
Aristotelische Logik von den Scholastikern des Mittelalters.
Grade um seiner Vorzüge willen bildet hier Maclcod das ty
pische Beispiel für eine ganze Richtung von Abirrungen des
volkswirtlischaftlichen Raisonnements. Obwohl nämlich den
Statistikern der falsche Gebrauch der Mathematik meist näher
gelegen hat, wie besonders das Beispiel eines Quetelet zeigt,
so ist doch auch die eigentliche Nationalökonomie nicht von
den auf dem Boden der mathematischen Analysis erwachsenen
Neigungen zu einem fehlgreifenden scholastischen Gebrauch
verschont geblieben. Indessen sind es der Regel nach nur '
Persönlichkeiten unter dem Niveau der Geschichte gewesen,
deren Musse und Unfähigkeit zur Bethätigung wirklich mathe
matischer Leistungen sie angereizt hat, mit ihren überflüssigen
Kenntnissen des Calcüls die Volkswirthschaftslehre heimzu
suchen. In den letzten Jahrzehnten sind derartige Erschei
nungen häuflger geworden, und es ist daher ein günstiger Um
stand, dass wir in Macleods viel höher gearteter Scholastik auch
die ganz subalternen und weit mehr fehlgreifenden Spielereien
mitzubeurtheilen vermögen. Sein negatives und positives Eigen
thum soll uns daher nicht im Mindesten kümmern, und seine
bisweilen an mathematischen Mysticismus streifenden Vor
stellungsarten, die auf Analogien der rationellen Naturphiloso-
phm im Sinne Newtons beruhen wollen, können ebenfalls zur
Seite gelassen werden. Dagegen ist daran zu erinnern, dass
die Einführung der Vorstellungen vom Positiven und Nega-