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Zweiundzwanzigstes Buch.
werb in Freudenfesten zu verpuffen, deren Schmach ihrer Ver⸗
gänglichkeit gleichkum, hat der kräftige Thüringer Fürst, dem
ein kleines Land nur kärgliches Einkommen abwarf, es unter
der Führung seiner Mutter in Jugendmut und Mannesfrische
verstanden, das Seine getreulich zusammenzuhalten und die
geringen Überschüsse höchsten Zwecken dienstbar zu machen.
Und so lächelte der deutschen Kunst denn doch des Mediceers
Güte! Wenn aber in Florenz fürstliche Kaufleute mit stärksten
materiellen Mitteln kostbarste Denkmäler der Baukunst, der
Malerei und der Plastik erst hervorriefen, so war es eine er—
wachsene und in sich schon selbständige Dichtkunst, die in
Weimar Pflege fand. Und darum hat sie, wie des Gerechten
Andenken in Segen bleibt, segenspendend an dem Orte, da
sie Zuflucht fand, fortgewirkt auf das Land und auf das Ge—
schlecht der Weimarer Fürsten bis heute.
Anna Amalia, aus dem alten Mäcenatenstamm der braun⸗
schweigischen Welfen, hatte im Jahre 1758, erst neunzehn—
jährig, nach dem Tode ihres Gemahls das kleine Staatswesen
in elendem Zustande überkommen: und so blieb ihr als doppelte
Lebensaufgabe die Hebung der öffentlichen Verhältnisse zu
neuem Wohlergehen und die Erziehung ihrer beiden Söhne
Karl August und Konstantin zu tüchtigen Fürsten. Sie er—
füllte diese Pflichten mit Energie und Umsicht. Aber sie tat
noch mehr: wenn persönlich auch eher dem Sinnenfälligen
feinerer Kultur und daher insbesondere der Musik und der
Malerei zugeneigt, begriff sie doch die Bedeutung geistigen
Lebens für ihr Land überhaupt und begann die vorhandenen
Anfänge in sorglichem Ausbau zu pflegen. Es gehörte in
diesen Zusammenhang, wenn sie im Jahre 1772 Wieland als
Mentor ihrer Söhne nach Weimar berief.
Im Jahre 1775 wurde Karl August mündig. Er bildete
sich seinem ganzen Wesen nach zunächst zum Krieger und
Fürsten, und in beiderlei Hinsicht konnte er im hohen Alter
nicht ohne innere Berechtigung von sich sagen: éet militavi
non sine gloria. Literarischen Bestrebungen stand er an sich
nicht so nahe, und für philosophische Erörterungen mochte man