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Zweites Buch. Die Gegner.
und seiner Schule „Materialismus“ vor, weil sie diese mächtigen Im
ponderabilien übersehen haben.
Unter allen produktiven Kräften einer Nation ist aber in seinen
Augen keine ergiebiger, als die Manufaktur. Die Fabriken ent
wickeln zunächst im höchsten Grade die moralischen Kräfte der
Nation. »Der Geist des Strebens nach steter Vermehrung der
geistigen und materiellen Güter, des Wetteifers und der Freiheit
charakterisiert den Manufaktur- und Handelsstaat; während beim
rohen Ackerbau Geistesträgheit und körperliche Unbeholfenheit
herrscht, Festhalten an alten Begriffen, Gewohnheiten, Gebräuchen
und Verfahrungsweisen, Mangel an Bildung, Wohlstand und Freiheit“
(S. 284). Viel besser als die Landwirtschaft gestatten die Fabriken
die Verwertung aller materiellen Hilfsmittel eines Landes, wie
Wasser, Wind, Mineralien und Brennstoffe. Das Bestehen von
Fabriken ist aber auch ein kräftiger Ansporn für die Landwirte;
sie profitieren noch mehr dabei als die Fabrikanten, und zwar durch
das Steigen .der Bodenrente, der Gewinne und der landwirtschaft
lichen Löhne, die der wachsende Bedarf an Bodenprodukten hervor
ruft. Außerdem sind die Fabriken ein beständiger Markt für die
Landwirtschaft, den weder Krisen noch Einfuhrverbote sperren
können, wie dies mit fremden Märkten geschieht. Weiterhin schaffen
die Fabriken Nachfrage nach verschiedenen Produkten, die eine Ab
wechslung in der Bewirtschaftung des Landes gestattet und so eine
Verteilung der landwirtschaftlichen Aufgaben unter den Bezirken
gemäß ihrer natürlichen Beschaffenheit herstellt, während in dem
gebildet hat. Den besten Einfluß, den Handel und Industrie gehabt haben, sagt er
an anderer Stelle, besteht darin, daß sie „nach und nach Ordnung und eine gute
Eegierung und hiermit zugleich Freiheit und Sicherheit der Personen unter den
Landbewohnern“ eingeführt haben . . . „Diese Wirkung ist, so wenig inan auch
auf sie acht gehabt hat, doch die wichtigste unter allen. Humb ist, soviel ich
weiß, bis jetzt der einzige Schriftsteller, der sie ins Auge gefaßt hat.“ (Völker-
reiehtum, Bd. I, S. 238, Bd. III, Kap. IY). Dort, wo er von den amerikanischen
Kolonien spricht (Bd. II, S. 90, Bd. IV, Kap. VII), weist er darauf hin, daß trotz
ihrer im Vergleich zu den spanischen, portugiesischen oder französischen Kolonien
geringeren Fruchtbarkeit „die politische Verfassung der englischen Kolonien
dem Anbau und der Kultur des Landes günstiger gewesen ist, als die Verfassung
irgend einer Kolonie der drei anderen Nationen“. Und wie sollte man endlich noch
die berühmte Stelle vergessen, in der Smith den Wohlstand Großbritannien’s im
wesentlichen auf die Gesetze zurückführt, die einem jeden die Früchte seiner Arbeit
garantieren, wobeier besonders die Eevolution von 1688 hervorhebt! „Die Sicherheit,
welche die Gesetze Großbritanniens jedermann im Genuß der Früchte seiner Arbeit
geben, ist allein hinreichend, diesen und zwanzig anderen törichten Handelsmaßregeln
zum Trotz ein Land blühend zu machen; und diese Sicherheit wurde durch die
Eevolution fast zu eben der Zeit, wo die Prämie eingeführt wurde vollkommen herge
stellt“ (sc. Ausfuhrprämie auf Getreide). (Völkerreichtum, Bd. II, 8. 69, Bd. IV,
Kap. V.)