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kann. Auch da liegen die Grenzen seiner Anwendungs
möglichkeit, wo ein Vertragsstaat, der billige deutsche
Exportartikel nicht braucht, sondern nur duldet, die Aus
schaltung dieses oder jenes — sozial an sich berechtigten
— Wertzolls aus der Zahl der geplanten Wertzölle zur
conditio sine qua non macht. Hier Grundsätze allge
meiner Art aufzustellen, wird sich der handelspolitische Prak
tiker versagen müssen. In einer Zeit, in der nun auch
frühere prinzipielle Freihändler von der Unmöglichkeit
der einheitlichen Durchführung irgend eines handels
politischen Glaubenssatzes überzeugt sind, kann es im prak
tischen Einzelfalle nur noch Kompromisse geben, Kompro
misse zwischen sozial und wirtschaftlich Berechtigtem und
handelspolitisch Erlangbarem.
Wenn aber der Wertzoll dazu bestimmt sein
sollte, ein Instrument der Demagogie zu werden, wenn
sich auch an ihm der geschichtliche Fluch jeder rein demo
kratischen Politik, ein als richtig erkanntes Prinzip bis
zu seinen letzten Konsequenzen durchführen zu wollen, er
füllen sollte, so würde das allerdings ein Unglück statt eines
Fortschritts bedeuten. Indessen hätte man mit der
artigen Bedenken auch nicht vor zwanzig Jahren mit
unserer sozialpolitischen Versicherungsgesetzgebung beginnen
dürfen, und so wird man ebenso in der Wertzoll
frage vertrauen müssen, daß es in entscheidenden Stunden
der starken Hände nicht ermangeln wird, die die Grenzlinie
zwischen den Wünschen sozialpolitischer Stürmer und den
unerläßlichen Vorbedingungen für eine organische Fort