Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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I.  Buch.  Production  und  Consumtion.

Tagen  das  Gegentheil  der  Fall  gewesen.  Es  ist  vorgekommen,  daß  die  Eröffnung
  großer  Fabriknnternehmnngen  durch  Leute  erfolgte,  welche  noch  die
Freiheit  hatten,  die  Arbeiter,  namentlich  die  Fraueil  und  Kinder,  durch
übermäßige  Arbeit  zu  erschöpfen;  besonders  England  und  Belgien  hatten,
und  Italien  hat  noch  jetzt  in  dieser  Hinsicht  die  schlimmsten  Zustünde  auszuweisen. ­
  Die  Ausnutzung  der  Arbeiter  und  Kinder  in  den  sicilischen
Schwefelminen  ist  noch  immer  eine  horrende.  So  ist  auch  auf  industriellem
Gebiet  der  Uebergang  vom  Klein-  zum  Großbetrieb  oder  das  umgekehrte  Verhältniß ­
  je  nach  den  Umständen  wünschenswerth  oder  nicht,  und  das  Gleiche
gilt  endlich  auch  vorn  Handel.  So  sehr  der  Untergang  kleiner  Geschäfte  unter
Umständen  zu  beklagen  ist,  so  kann  doch  ein  solider  Großbetrieb  mit  sehr  geringen ­
  Regiekosten  nicht  zum  Vortheil  der  Existenz  von  überflüssigen  wirtschaftlichen ­
  Vermittlern,  zu  deren  Gunsten  höchstens  ein  erträgliches  Uebergangsstadium
zu  schaffen  ist,  eingeschränkt  oder  beseitigt  werden.  Keine  Form  der  productiven
Organisation  ist  an  sich  eine  Garantie  socialer  Wohlfahrt.  Diese  beruht  nicht
allein  auf  solchen  Formen,  sondern  auch  noch  auf  etwas  anderem.
Das  ändert  freilich  nichts  an  der  Thatsache,  daß  die  immerwährende
Ausdehnung  schon  an  und  für  sich  kolossaler  Unternehmungen,  vom  Standpunkt ­
  der  nationalen  Wohlfahrt  aus  betrachtet,  mit  der  Zeit  minder  vortheilhaft
  wird.  Ein  solches  Anwachsen  führt  dazu,  daß  sich  die  Reichthümer  in
immer  weniger  Händen  concentriren,  und  ist  ebensowenig  heilsam  wie  die
übermäßige  Reduction  der  Betriebe  und  Wirtschaften,  wie  sie  z.  B.  in  Frankreich ­
  besonders  die  zwangsweise  Naturaltheilung  der  Hinterlassenschaften  auf
Grund  des  Code  civil  und  überhaupt  das  gleiche  Erbrecht  der  Nachkommen
mit  sich  bringt.  Die  Latifnndienbildung  wie  die  übermäßige  Zerstückelung
des  Grund  und  Bodens,  welche  zur  Bildung  von  Zwergwirtschaften  führt,
kann  vielfach  die  übelsten  Folgen  haben,  und  hat  solche  namentlich  in  dem
Falle,  wo  der  Großgrundbesitzer  nicht  über  das  nothwendige  Kapital  verfügt,  um
intensive  Wirtschaft  zu  betreiben,  und  wo  es  dem  kleinen  Besitzer  an  Mitteln  fehlt,
um  auf  seinem  Besitz  einträglichen  Gemüse-,  Wein-  oder  Obstbau  einzuführen.
Uebrigens  können,  auch  abgesehen  von  diesen  beiden  Extremen,  die  Dimensionen
für  den  erfolgreichen  Betrieb  eines  Unternehmens  ungeeignet  sein.  Ein  Landgut ­
  ,  welches  zu  klein  ist,  um  einem  Paar  Zugthiere  genügende  Beschäftigung
zu  geben,  aber  so  umfangreich,  daß  es  ohne  solche  nicht  mit  Erfolg  bewirtschaftet ­
  werden  könnte,  ist  ein  unvortheilhaftes  Object.  So  wissen  Praktiker
ans  den  verschiedensten  Productionszweigen  davon  zu  berichten,  daß  Betriebe
und  Wirtschaften  mannigfachster  Art  gleichzeitig  zu  groß  und  zu  klein  sind
und  aus  diesem  Grunde  keinen  Vortheil  bringen.
Es  läßt  sich  nicht  einmal  behaupten,  daß  zum  Prosperiren  eines  Landes
eine  große  'Anzahl  kleiner  oder  mittlerer  Landgüter  nothwendig  vorhanden  sein
            
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