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I. Buch. Production und Consumtion.
wähl von Nahrungs- und andern Genußmitteln geboten werden kann, und
daß diese Mannigfaltigkeit, wie wir später sehen werden, eine Steigerung der
Quantität des Consumè überflüssig macht.
In solchen Stammfamilien herrschen auch die christlichen Tugenden der
Achtung vor den Eltern und überhaupt vor den alten Leuten und der wechsel
seitigen Zuneigung und Sorgfalt zwischen den Geschwistern, und so kann es
denn nicht wunder nehmen, daß sie in den christlichen Ländern überall da
häufig anzutreffen waren und vielfach noch immer anzutreffen sind, wo nicht
widrige Gesetze und llmstände ihrem Bestände ernstliche Hindernisse bereitet haben.
Aber eine wie heilsame Organisationsform des Familienlebens mid) in
der Stammfamilie sich darbietet, nothwendig ist diese Form vom Standpunkte
des Christenthums aus dennoch nicht. Für gewisse Schichten der Bevölkerung,
namentlich für die reiä-en und hoch gebildeten Klaffen, für die Familien, in
welchen keine von den Vorfahren überkommenen Besitzthümer und Geschäfts
betriebe zu vererben sind, und überhaupt in Zeiten, wo die gesellschaftlichen
Verhältnisse einem raschen Wechsel unterworfen und die Erziehung sowohl als
die Sitten der aufeinanderfolgenden Generationen gegenseitig sehr verschieden
sind, sowie endlich für die städtische Bevölkerung im allgemeinen sind die
durch die Organisationsform der Stammfamilie gebotenen Vortheile geringer
und stellen sich einem derartigen Zusammenleben größere Schwierigkeiten ent
gegen, da in allen diesen Kreisen eine weit geringere Uebereinstimmung in
den Anschauungen herrscht. Unter solchen Verhältnissen wird sich ein wahr
haft christliches Familienleben leichter entwickeln, wenn eine jede der ver
schiedenen Generationen einer und derselben Familie ihren gesonderten Haus
halt führt.
Es kommt auch eine complicirtere Form der Stammfamilie vor, nämlich
dann, wenn mehrere verheiratete Geschwister mit ihren Kindern, die vielleicht
selbst schon verehelicht sind, zusammenleben, so daß die Gemeinschaft 25, 40,
ja vielleicht 100 Personen umfaßt, welche sämtlich ihr Vermögen der Haupt
sache nach gemeinschaftlich besitzen und benutzen und unter der Aufsicht eines
Oberhauptes leben, welches entweder erwählt oder durch das Herkommen be
stimmt wird, indem z. B. nach dem in einigen Gegenden herrschenden Brauche
der älteste Sohn der ältesten Linie als solches figurirt. Le Play nennt solche
Familien patriarchalische. Sie waren zu verschiedenen Zeiten und unter
vielen ganz verschiedenartigen Völkern zahlreich anzutreffen. Die alten Gesetze
der Römer und Griechen setzen eine derartige Familienorganisation voraus,
die wahrscheinlich auch unter den Juden einmal häufig war und sich bis auf
diesen Tag häufig bei den Chinesen, Bulgaren und Serben vorfindet, in der
ersten Hälfte unseres Jahrhunderts auch noch vielfach bei den Russen, Kroaten
und Hindus anzutreffen war.