8. Kap. Der Aufschwung und der Verfall der Nationen.
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kommen der englischen Puritaner in Neuengland die nämliche Erscheinung
;« Tage tritt. In diesem Lande nimmt die Zahl der Geburten gleichzeitig
Ulit dem Rückgang der Religiosität und der Sittlichkeit in noch stärkerem Grade
ab 1 als in Frankreich.
Auch in Großbritannien trat in den letzten Jahren eine schnelle Ab
nahme der Geburtenzahl zu Tage, obgleich daselbst keine so umfangreiche Aus
wanderung wie in Irland hierfür verantwortlich gemacht werden kann. Tie
wit 1880 endigenden 20 Jahre hindurch belief sich die Zahl der Geburten
ìw Durchschnitt auf 35,3 pro Mille in England und auf 34,9 in Schott-
land. Seitdem ist sie fast beständig gesunken, so daß sie in beiden Ländern
ņ"r mehr wenig über 30 beträgt.
Ja man kann überhaupt in den meisten hoch cultivirten Staaten der
^êtztzeit, die leider sämtlich in mehr oder minder hohem Grade auch von dem
Hauche des Unglaubens und der Unsittlichkeit ergristen sind, constatiren, daß
bie Geburtenzahl in Abnahme begriffen ist. Allerdings ist das in den ver
schiedenen Staaten in ungleichem Maße der Fall, und es finden in dieser
Hinsicht auch einige Schwankungen statt. Das ist ganz natürlich und läßt
Uch nicht anders erwarten, da ökonomische Krisen, wirtschaftlicher Aufschwung
"nd Niedergang, Kriege und ihre Folgen bezüglich der Eheschließungen und
anderer in das Gebiet der sittlichen Ordnung einschlagenden Vorgänge ihre
Wirkungen äußern und die Einsicht wie die Willensentschließungen der Menschen
es doch zum Theil gerade Departements mit religiöser Bevölkerung, wie z. B.
, abados (ein Theil der Normandie) und Gers (in der Gascogne gelegen), welche
sonders unter der Bevölkerungsabnahme leiden. Der sparsame und am Grund und
hängende französische Bauer schränkt lieber (und sicher oft auch in erlaubter
b ei ^) die Zahl seiner Kinder auf zwei oder drei ein, als daß er seinen Besitz nach
e " Bestimmungen des Code civil in verschwindend kleine Zwergwirtschaften zer-
reißen ließe.
' Agl. über die Abnahme der Geburtenzahl in den Vereinigten Staaten im all-
"nd in Neuengland insbesondere C. I a n n e t und W. K à m p f e a. a. C.
î .rj^' Als Beleg für die Behauptung, daß die Bevölkerung angelsächsisch-ameri-
and ^ Ct Abstammung in Neuengland im Vergleich mit den dortigen Ansiedlern
. ern Ursprungs weit unfruchtbarer ist, möge hier von den dort angeführten That
en nur die folgende mitgetheilt werden: Laut Bericht des Statistischen Bureaus
à^îaates Massachusetts vom Jahre 1875 ergibt sich, 1. daß die durchschnittliche
erzähl der Arbeiter größer ist als die der Gesamtbevölkerung. und 2. daß die
am^ì»îdņ ungelernter Arbeiter mehr Kinder haben als die gelernter. Tie Arbeiter
«n "'"bischer Abstammung gehören fast sämtlich dieser letztern Art von Arbeitern
há» die wenigsten Kinder. Es kommen bei ihnen im Durchschnitt deren
bei ^den Haushalt, bei den Arbeitern englischen Ursprungs hingegen 2,89,
den
schottischen 8, bei den Deutschen 3,50, bei den Franco-Canadiern 3,59 und
b^l den Irländern 3,80.