Full text: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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I. Buch. Production und Konsumtion. 
bis zu einem gewissen Grade alteriren. Aber dessenungeachtet läßt sich das 
dauernde Vorwalten der Tendenz zu einer Abnahme der Geburtenzahl nicht 
verkennen, und diese Abnahme tritt sowohl im Deutschen Reiche ltnb ins 
besondere in Preußen und in Bayern als in Italien und der Schweiz zu 
Tage*. Ja selbst in dem Fall, daß die großen Massen in den civilisirten 
Ländern, soweit sie noch ernstlich religiös gesinnt sind, dies auch in Zukunft 
bleiben und viele jetzt Indifferente durch die Bemühungen der Gläubigen, die 
heutzutage ihre heilsamen Anstrengungen verdoppeln, wieder zürn Glauben und 
zur Sittlichkeit zurückkehren werden, ist anzunehmen, daß die Geburtenzahl 
eine geringere bleiben wird. Die Verfeinerung des Lebens, die größern An 
sprüche an Kleidung, Nahrung, Wohnung nnd Vergnügungen auch besserer 
Art, der Hang zum Reisen und zu höherer Ausbildung, der in der Gegenwart 
so viele ergriffen hat, wird voraussichtlich ein nachhaltiger sein, bis vielleicht 
einmal ungeheure Umwälzungen das Menschengeschlecht hinsichtlich der Cultur 
wieder auf einen frühern Standpunkt zurückwerfen. Dies alles ist geeignet, die 
Besorgnisse betreffs einer in absehbarer Zukunft eintretenden Uebervölkernng ganz 
bedeutend zu mindern. Es kann durchaus uicht behauptet werden, daß sich die 
Bevölkerung Europas, weil sie sich während der letzten 100 Jahre um etwa 
100 Millionen Seelen vermehrt hat, auch während des nächsten Säculums 
in gleichem Maße zunehmen werde. Ferner muß der Umstand in Betracht 
gezogen werden, daß das Leben in den großen Städten der Fruchtbarkeit 
nachtheilig ist. Es ist das eine Thatsache, welche bei der unläugbaren [tätigen 
Vermehrung der Zahl wie der Einwohner der großen Städte nicht ohne 
Bedeutung ist. Sollte aber die Bevölkerungszunahme wirklich einmal eine 
beängstigend starke werden, so kann den Uebelstünden derselben durch neue 
Erfindungen, welche die Production bedeutend ergiebiger machen würden, 
vielleicht vorgebeugt werden. 
Alle diese Argumente sind indessen nicht von solcher Beschaffenheit, daß 
die Möglichkeit einer Uebervölkernng auf Grund derselben als völlig aus 
geschlossen betrachtet werden könnte. Unbestreitbar haben ja die Kriege der 
Neuzeit trotz der gewaltigen Massen, welche durch dieselben ins Feld geführt 
werden, und trotz der gewaltigen Verluste an Menschenleben, welche sie auch 
in der Gegenwart wie in Zukunft mit sich bringen, nicht mehr solch entsetz 
liche Verheerungen im Gefolge, wie sie im Alterthum und vielfach and) uoch 
im Mittelalter und bis auf den Dreißigjährigen Krieg und die Türten- 
kriege des 17. Jahrhunderts herab zur Schande der geschichtlichen Entwick 
lung nur zu oft vorkamen. Verwüstungen und Metzeleien, wie sie bei den 
1 Vgl. im Staatslexikon der Görresgesellschaft I, 993 ff. unsern Aufsatz über die 
Bevölkerung, insbesondere die Sp. 1007 u. 1008 mitgetheilten Daten.
	        
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