Full text: Die Eingliederung der vertriebenen Elsass-Lothringer in das deutsche Wirtschaftsleben im Augenblick seines Tiefstandes

106 
III. IIAUPTÜEIL. 
nung und Arbeit finden würden, mußte die Weiterleitung 
selbstverständlich ausgehen. Daneben galt es, Stauungen 
in einzelnen Bezirken zu verhindern. Für Flüchtlinge, die 
kein festes Ziel von sich aus hatten, wurde der Grund 
satz aufgestellt, sie ihren Bundesstaaten zuzuführen. Gleich 
zeitig konnte bei der Übernahme wenigstens dafür gesorgt 
werden, daß allen in Notlage befindlichen Flüchtlingen so 
fort mit dem Allernötigsten geholfen wurde. 
Wir haben bereits auf die verschiedenen Gründe hin 
gewiesen, durch welche viele Vertriebene zur Niederlassung 
in Baden veranlaßt wurden. In den ersten Monaten nach 
dem Waffenstillstand verschlossen viele badischen Gemein 
den in rücksichtsloser Weise den Flüchtlingen ihre Tore, 
wobei zwar nicht vergessen werden soll, daß sie unter einer 
großen Wohnungsnot litten, oft jedoch aus Furcht vor 
Lasten, die ihnen durch diese Vertriebenen entstehen könn 
ten, zu solcher Handlungsweise veranlaßt wurden. Die 
Möglichkeit solchen Vorgehens leiteten sie aus der Ver 
ordnung über „Maßnahmen zur Beschränkung des Fremden 
verkehrs“ vom 13. April 1918 (RGBl. 1918 S. 1143) ab. 
Die volle Freizügigkeit wurde jedoch den elsaß-lothringi 
schen Vertriebenen durch die Verordnung betr. „Zuzug orts 
fremder Personen und von Flüchtlingen“ vom 23. Juli 1919 
(RGBl. 1919 S. 1353) gewährt. Aber auch diese Bestimmung 
konnte nicht verhindern, daß bis zum heutigen Tage ein 
zelne Gemeinden den Flüchtlingen solche Schwierigkeiten 
bereiten, daß diese Freizügigkeit illusorisch wird. Trotz 
dieser Hemmungen, die allerdings nicht nur in Baden, 
sondern in gleicher Weise auch in anderen deutschen 
Ländern den Flüchtlingen bis zum heutigen Tage bereitet 
werden, prägen sich die Motive, die einen großen Teil 
der Vertriebenen aus Elsaß-Lothringen veranlaßte, in Baden 
oder sonst in Süddeutschland seinen dauernden Aufenthalt 
zu nehmen, sehr klar aus. Wäre die Übernahme der Ver 
triebenen und ihre Weiterleitung vollkommen schematisch 
nach dem Gesichtspunkt der Staatszugehörigkeit durch 
geführt worden, so müßte heute die Verteilung der Vertrie 
benen auf die verschiedenen deutschen Länder den Staats 
angehörigkeitsziffern entsprechen, die wir in einer Statistik
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.