8. Ķap. Der Aufschwung und der Verfall der Nationen.
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er Bevölkerungszunahme geschaffen worden, und es kann nicht verkannt
werden, daß dieses Gegengewicht infolge der immer weiter schreitenden Assani-
ŗung auch der schlimmsten Quartiere der Städte und der sich immer mehr
ausbreitenden Fürsorge für gesunde Arbeiterwohnungen voraussichtlich noch
stll t geraume Zeit hinaus stets gewichtiger in die Wagschale fallen dürfte.
Wieweit sich freilich alle diese Factoren wirksam erweisen werden, das
aßt sich sogar auf lange Zeit hinaus gar nicht bestimmen. Fürs erste hat
^ mit einer wirklich ernstlichen Gefahr, daß eine Uebervölkerung eintreten
önnte, noch gute Weile. Sollte eine solche aber einmal wirklich in bedroh
ter Gestalt auftreten, so ist es nicht ausgeschlossen, daß die Uebel, welche
ann drohen werden, eine so ernste Sprache führen, daß eine gewaltige Um
ehr weiter Kreise in sittlicher und religiöser Beziehung stattfindet. In diesem
^alle würde eine Gesetzgebung, welche den Männern die Verehelichung etwa
kern zurückgelegten 30. Jahre verböte, nicht mehr die Bedenken erwecken,
^.k che ihr heutzutage entgegenstehen, und auch eine große Zunahme der Voca-
wnen zum geistlichen und zum Ordensstande ausgleichend wirken. An dieser
I0l e mu ^ auch auf die Theorie des Malthusianismus, welche seit ungefähr
wahren so viel besprochen worden iß \ kurz eingegangen werden.
-Liefe Theorie geht von der Behauptung aus, daß der in vielen Gegenden
Eichende Pauperismus großen Theils die Folge der Uebervölkerung ist, und
aß e% demnach nur ein Mittel dagegen gibt, die Verminderung der Menschen-
lick ' erster Vertreter, Thomas Robert Malthus, ein englischer Geist-
entw ck^ö' 1766 ' gest. 1834) und persönlich achtbarer Mann, trat mit der im Text
latic, 1 ? teU ^Bevölkerungstheorie, die sich in seinen Essays on the principles of popu-
fótoîra UCtft * n Ļvàn 1798 erschienen und später vermehrt) niedergelegt findet, in
wie e • en ^gensatz zu den bisher unter der Herrschaft des aufgeklärten Absolutismus,
^vrwalt!" k £r zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf dem europäischen Continente
Aolksv CC ' ş" allgemein gehätschelten Doctrinen, die eine künstliche Begünstigung der
Joseph"?.ņ^ŗ"ng aus ihre Fahne geschrieben hatten. Friedrich II. von Preußen,
niehrì,,, k' pombal und andere Staatsmänner jener Zeiten riefen stets nach Ver-
Äosepļ,'^,, ^ ^ßeschließungen, um Bauern, Soldaten und Gewerbsleute heranzuzüchten.
l>ewoh„ ""ö şiiue Rathgeber wollten sogar die Zahl der Paar tausend ñloster-
wan .^ £ ŗmindern, um mehr Familienväter und -Mütter zu haben. Wie kann
Haupts,/^,," Wundern, daß Malthus, der in manchen Punkten, wenn auch nicht in der
gegeņjìh h ^echt hatte, mit einem wahren Jndianergeheul empfangen wurde, als er
şchen ^ņglischen Communiste» Godwin und den Phrasenmachern der französi-
Forderu, ° ï tl0 " ' ^lche ihre blutgetränkte Humanitätslehre mit der ihr inhärirenden
õeherrscli'^ allgemeinen Zügellosigkeit verkündeten, die Nothwendigkeit der Selbst-
Länder,, ""ì betonte! Aber er fehlte darin, daß er die Thatsache, daß in gewissen
brücke ^wissen Zeiten eine Uebervölkerung faktisch stattfindet, unter dem Ein-
^Şrursach/ ' welche die damals in England wirklich vorhandene Uebervölkerung
eine fcftlecfct generalifirte und auch da an Uebervölkerung glaubte, wo nur
Dkvaî £ ertheilung des Volkseinkommens herrschte.
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