8. Kap. Der Aufschwung und der Verfall der Nationen.
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ì>aè Wesen des Gesetzes der verminderten Einträglichkeit zu erklären und an-
şiatt zu erörtern, wie dasselbe mit dem andern Gesetze der zunehmenden Ein
träglichkeit zusammenhängt, und welche Verbindung zwischen ihm und der
Auswanderung sowohl als dem industriellen Fortschritt besteht, jenes Gesetz
einfach läugneten, wie das Carey, Bastiat und Henry George thaten, so be
stärkten sie die Anhänger der Malthusischen Schule in ihrem Irrthum, statt
şie zu bekehren.
Ganz verfehlt muffen ferner auch die Versuche erscheinen, welche darauf
ausgehen, den Beweis zu liefern, daß die Fruchtbarkeit der Menschen mit
^ er Zunahme des Reichthums oder der Intelligenz abnehme, daß daher die
Entwicklung der Civilisation einen Damm gegen die Uebervölkerung bilde.
Herbert Spencer z. B. vertritt die Ansicht, daß die Entwicklung der Gehirn
zelle die geschlechtliche Reife hinausschiebe, und daß die vom Erwerbe geistiger
lldung unzertrennliche Anstrengung die menschliche Fruchtbarkeit vermindere l .
r '"eint dann weiter, ein solcher Fortschritt solle sich so lange fortentwickeln,
ls jedes Paar durchschnittlich zwei Kinder hätte, wodurch dann der Ueber-
^vlkerung vorgebeugt wäre. Wahrscheinlich werde aber diese ideale Zahl nicht
Deicht werden, sondern zwischen zwei und drei liegen. Wieder einen andern
Standpunkt vertritt der Schwede I. W. Tallquist. Derselbe ist von optimistischen
ņschauungen über die Entwicklung der Subsistenzquellen der Menschheit frei und
^sofern Malthusianer, aber er vertritt wie andere Reomalthusianer entschieden
\ Menschliche Willensfreiheit und schreibt derselben einen bedeutenden Ein
guß auf die Gestaltung der Populationsverhältniffe zu. Er sucht nämlich zu
eweisen, daß die fortschreitende Civilisation die Menschen ihre Abhängigkeit
der ökonomischen Lage in steigendem Maße fühlen lasse, und daß diese
. r ênntnitz die Regulirung der Fortpflanzung zur Folge habe. Die sehr
? Gesinnten statistischen Zusammenstellungen, auf welche sich diese Behaup-
"ņgen stützen, sind indessen nur für gewisse Länder beweiskräftig. Was
^î^^reich anbelangt, so erhellt aus einer solchen Zusammenstellung allerdings
e Thatsache, daß die wohlhabenden Departements eine geringere Geburten-
^ņge aufzuweisen haben als die ärmern 2 , und daß auch, wie schon erwähnt
kond ^rbert Spencer, A System of philosophy II : Principles of biology. 2 d ed.
theor^ "àmliche Ansicht vertreten auch Trall (Eine neue Bevölkerungs-
Und V ^rgeleitet aus dem allgemeinen Gesetze thierischer Fruchtbarkeit. Leipzig 1879)
(Die Fortpflanzung und Vermehrung der Menschen. Jena 1880).
fé coiid t le ^ C J W ‘ TaU Q uist , Recherches statistiques sur la tendance à une moindre
bes m ' ? . des mari »ges (Paris 1885) 88. Sehr interessant sind auch die Mittheilungen
in <> "sassers über die Fruchtbarkeit der Angehörigen der verschiedenen Berufskreise
deren 2ry ^ ic 8 elt şich in ihnen der Widerschein der socialen Verhältnisse und
welche "ksamkeit auf die Fruchtbarkeit der Ehen. Laut denselben haben die Arbeiter,
°n der Arbeit ihrer Kinder leben, und die Pächterfamilien zahlreiche Nach-