Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

9.  Kap.  Die  Güterconsumtion  im  allgemeinen.

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Betreffs  der  nachtheiligen  Arten  der  Consumtion,  über  die  bereits  im
4-  Kapitel  gehandelt  wurde,  ist  noch  hervorzuheben,  daß  dieselben  nicht  nur
în  wirtschaftlicher,  sondern  nicht  minder  in  sittlicher  Hinsicht  zu  schlimmen
Resultaten  führen,  wie  sie  denn  auch  zum  Theil  aus  sittlichen  Mängeln  herzuleiten ­
  sind.
Es  ist  daran  festzuhalten,  daß  der  Gebrauch  wirtschaftlicher  Güter  auch
zum  Zwecke  des  Genuffes  vom  Standpunkt  des  Christenthums  an  und  für
Uch  nicht  verboten  ist.  Ein  solcher  Gebrauch  ist  mit  der  bis  zu  einem  gewiffen
Grade  nothwendigen  Loslösung  von  der  Anhänglichkeit  an  die  irdischen  Güter
und  mit  der  Uebung  der  Selbstverläugnung  sehr  wohl  vereinbar.  Wir  beynöthigen ­
  die  irdischen  Güter  und  haben  sie  in  vernünftigem  Maße  zu  gebrauchen, ­
  um  unsern  Lebenszweck  erfüllen  zu  können.  Was  nun  die  verschiedenen ­
  Zwecke  anbelangt,  zu  welchen  die  Güter  verwendet  werden,  so  müffen
Nur  zwischen  Nothwendigem,  Standesgemäßem  und  Ueberflüssigem  unterscheiden.
Zum  Nothwendigen  sind  Kleidung,  Nahrung,  Obdach  und  alles  das  zu
^kchnen,  was  nach  Lage  der  Verhältniffe  erforderlich  ist,  um  die  Menschen  bei
Gesundheit  und  Kräften  zu  erhalten.  Auf  diese  nothwendigen  Güter  hat
ledermann  Anspruch.  In  die  Kategorie  der  zu  den  st  a  n  d  e  s  m  ä  ß  i  g  e  n
Bedürfnissen  dienenden  gehören  alle  diejenigen  Güter,  deren  man  beburf,
  um  mit  den  Deinigen  ein  seinem  Rang  und  seiner  Lebensstellung  entsprechendes ­
  Leben  führen  zu  können.  Solcher  Güter  gibt  es  selbst  auf  der
niedrigsten  socialen  Stufe  eine  Menge.  So  muß  ein  Haus,  damit  es  als
"ņe  Paffende  Wohnstätte  für  eine  Familie  dienen  kann,  viel  mehr  sein  als
oiu  bloßes  Obdach  gegen  die  ungünstigen  Einflüffe  der  Witterung.  Desgleichen ­
  ist  eine  Kleidung  aus  zusammengeflickten  Lumpen,  mag  sie  immer-^iu
  nicht  gesundheitswidrig  sein,  auch  für  Leute  aus  den  niedrigsten  Volksschichten ­
  unschicklich.
Zu  den  zu  Ueberflüssigem  verwendeten  wirtschaftlichen  Gütern  sind  alle
iejenigen  zu  rechnen,  welche  nicht  unter  die  zwei  vorstehenden  Kategorien  fallen.
0"  dieser  dritten  Gattung  sind  zwei  Arten  zu  unterscheiden:  solche,  deren  Verwendung ­
  gerechtfertigt  ist,  und  solche,  deren  Gebrauch  und  Genuß  getadelt  werden
ņwst.  Zwischen  diesen  beiden  Arten  von  Gütern  besteht  zwar  keine  feste  Grenze,
^ber  sie  i a jf en  sich  nichtsdestoweniger  auseinander  halten.  Zur  erstem  gehören
ìejenigen,  welche  in  erster  Linie  der  intellectuelle  und  der  ästhetischen  Bildung
°ber  dem  literarischen  und  künstlerischen  Genuß  und  der  Beschäftigung  mit
er  Wissenschaft  dienen.  Sodann  sind  hierher  auch  solche  Güter  zu  zählen,
welche  eine  über  das  vernünftige  Maß  nicht  hinausgehende  Behaglichkeit
o*  häuslichen  Lebens  gewähren,  das  Reisen  erleichtern  oder  Vergnügungen
und  Genüffe  innerhalb  der  Grenzen  ermöglichen,  die  man  je  nach  den
klnzelnen  Fällen  und  Lebensstellungen  ohne  ernste  Bedenken  als  erlaubte

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