Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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I.  Buch.  Production  und  Consumtion.

erlassen  und  energisch  durchgeführt  werden.  Ja  unter  Umständen  sollte  zur
Sequestration  und  nöthigenfalls  sogar  zur  Demolirung  ungesunder  Baulichkeiten, ­
  deren  Eigenthümer  keine  Abhilfe  schaffen,  geschritten  werden.  Derartige
negative  Vorschriften  sind  aber  nicht  genügend.  Sie  müssen  vielmehr,  wenn
ihnen  nicht  andere  Maßregeln  zur  seile  gehen,  das  Resultat  haben,  daß  sich
die  Kosten  der  Errichtung  von  Arbeiterhäusern  steigern  und  daß  die  Anzahl
derselben  beschränkt  wird.  Es  würde  also  der  Preis  der  Wohnungen  bedeutend
in  die  Höhe  gehen  und  für  viele  ganz  unerschwinglich  werden.  Solche  Gesetze
könnten  demnach  gar  nicht  ausgeführt  werden.  So  ist  es  denn  unerläßlich,
die  Erbauung  billiger  und  zweckentsprechender  Wohnungen  für  die  niedern
Klaffen  auch  positiv  zu  fördern.
In  erster  Linie  sind  natürlich  die  Arbeitgeber  dazu  berufen,  bessernd  und
helfend  auf  diesem  Felde  thätig  zu  sein.  Es  ist  eine  erfreuliche  Thatsache,
daß  auf  dem  europäischen  Continent,  und  zwar  besonders  in  Frankreich  und
vielfach  auch  in  Deutschland,  eine  Anzahl  von  Aetiengesellschaften  wie  auch  von
Einzelunternehmern  eine  umfassende  Wohlfahrtsthätigkeit  für  ihre  Arbeiter  entfalten. ­
  Der  im  allgemeinen  humanitäre  Geist  unserer  Zeit  hat  in  Verbindung
mit  dem  wohlverstandenen  Interesse  der  Unternehmer,  das  sie  dazu  antreiben
muß,  ihre  Arbeiter  dauernd  an  sich  zu  feffeln,  schon  Bedeutendes  geleistet  und
wird  das  in  Zukunft  noch  mehr  thun.  Wenn  wir  uns  aber  auch  erst  im
11.  Kapitel  des  III.  Buches  eingehender  mit  der  Wohlfahrtsthütigkeit  der
Unternehmer  zu  beschäftigen  haben  werden,  müssen  wir  doch  schon  hier  darauf
Hinweisen,  daß  vor  allem  die  Wohnungsfrage  der  fördernden  und  unterstützenden ­
  Thätigkeit  der  größern  und  besonders  der  ganz  großen  Unternehmer
ein  dankbares  Thätigkeitsfeld  darbietet.  Wie  können  diese  ihre  Arbeiter
stärker  an  sich  fesseln,  als  indem  sie  denselben  zu  gesunden  und  einladenden
Wohnungen  um  billigen  Preis  verhelfen  oder  ihnen  sogar  den  Erwerb  eines
eigenen  Heims  ermöglichen.  Das  zu  thun,  sind  allerdings  die  in  großen
Städten  gelegenen  Unternehmungen  nur  dann  im  stände,  wenn  sie  an  der
Grenze  des  Stadtgebietes,  nahe  dem  freien  Felde  liegen,  falls  sie  es  nicht
vorziehen,  die  Wohnungsanlagen  in  benachbarten  kleinen  Orten  auszuführen,
wohin  die  Arbeiter  mittelst  der  jetzt  mehr  und  mehr  eingeführten  billigen
Arbeiterzüge  schnell  gelangen  können.  Es  ist  denn  auch  in  der  That  bereits
Erfreuliches  auf  diesem  Gebiete  geleistet  worden,  und  es  kann  hier  auch  durch
die  Initiative  der  Unternehmer  so  viel  geschehen,  daß  ein  guter  Theil  der
Wohnungsfrage  durch  sie  allein  gelöst  wird  i .
1  Siehe  Julius  Post,  Musterstätten  persönlicher  Fürsorge  von  Arbeitgeber"
sür  ihre  Geschäftsangehörigen.  II  Bde.  Berlin  1889  u.  1893.  Dies  treffliche  Werk
berichtet  (IE,  215—338)  über  die  Wohnungsfrage  als  die,Cardinalfrage<  und  beschreibt
26  Anlagen,  nämlich  7  Beispiele  der  Fürsorge  von  Unternehmern  für  den  Erwerb
            
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