Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

10.  Kap.  Die  verschiedenen  Zweige  der  Consumtion.

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wurden.  Bei  der  Erwägung  der  Modethorheiten  und  bei  der  Beurtheilung
des  durch  dieselben  angerichteten  Schadens  muß  man  sich  gegenwärtig  halten,
M  abgeschmackte  Formen  von  Kleidungsstücken,  wie  die  Schnabelschuhe  im
spätern  Mittelalter,  welche  mehrere  Fuß  lange  Spitzen  hatten,  die  ungeheuerlichen ­
  Kopfputzformen  gewisser  Damen  der  Rococozeit  und  die  maßlosen
Ķrinolinen,  wie  sie  vor  etwa  40  Jahren  Mode  waren,  vom  volkswirtschaftlichen ­
  Standpunkte  betrachtet,  ein  geringeres  Uebel  sind  als  die  übertriebene
Kostbarkeit  der  Stoffe  und  die  Menge  verschiedenartigster  Kleidungsstücke,  deren
Leute  zu  bedürfen  glauben,  welche  dieselben  nicht  beschaffen  können,  ohne  für
andere,  nützlichere  oder  sogar  nothwendige  Gegenstände  und  Zwecke  zu  wenig
auszugeben,  oder  sogar,  ohne  ihren  Vermögensstock  anzugreifen.  In  dieser
Hinsicht  haben  sich  die  meisten  Epochen,  während  welcher  relativ  friedliche  Zustände ­
  und  Wohlstand  herrschten,  nichts  vorzuwerfen.  Wie  im  Rom  namentlich
der  Kaiserzeit  und  früher  schon  im  Griechenland  des  5.  und  4.  Jahrhunderts
dor  Christus,  hat  in  dem  Konstantinopel  Justinians,  am  Kaiserhofe  Friedrichs  II.
w  Palermo  und  in  dem  reichen  Florenz  der  mediceischen  Zeit  ein  glänzender
"ud  oft  auch  geschmackvoller  Luxus  an  Kleidern  und  Schmucksachen  geherrscht.
Und  die  deutschen  Reichsstädte  des  spätern  Mittelalters  waren  in  dieser  Be-Kehung
  nicht  beffer  als  die  damaligen  großen  italienischen  Handelsstädte,  nur
H  in  den  letztem  wenigstens  die  Trachten  der  Frauen  zum  Theil  geschmückter ­
  waren.  Später  fand  der  glänzende  Hof  Ludwigs  XIV.  und  seine
Prachtentfaltung  Nachahmung  in  München,  Berlin.  Stuttgart  und  sogar  an
wanchen  Höfen  deutscher  geistlicher  Fürsten,  an  denen  man  aber  dabei  das
ästentliche  Wohl  nicht  aus  dem  Auge  ließ.  Man  muß  sich  übrigens  hüten,
^en  Luxus  solcher  reichen  und  glänzenden  Epochen  überhaupt  zu  verdammen,
^adelnswerth  wurde  er  mir,  insoweit  er  die  Mittel  der  Personen,  welche  ihn
sieben,  überschritt,  der  unerlaubten  Gefallsucht  diente  und  die  gute  Sitte  ver-^îe.
  Das  alles  ist  aber  leider  vielfach  der  Fall  gewesen.
Zu  den  durch  übertriebenen  Kleideraufwand  verursachten  liebeln  ist  in
Ueuerer  Zeit  noch  ein  früher  kaum  wahrnehmbares,  gegenwärtig  überaus  verleitetes ­
  gekommen:  die  Anfertigung  von  Stoffen,  welche  den  dafür  gezahlten
weisen  nicht  entsprechen  und  lediglich  durch  ihr  gefälliges  Aussehen  die
äufer  anlocken  und  sich  dann  wenig  dauerhaft  erweisen  —  ein  Uebelstand,
et  ui  vielen  Fällen  noch  dadurch  verschlimmert  wird,  daß  die  Hausfrauen,
^lche  ihrem  Berufe  entfremdet  und  genöthigt  sind,  den  Lebensunterhalt  der
Familie  mitverdienen  zu  helfen,  die  schadhaft  werdenden  Kleider  nicht  ausbessern ­
  vermögen.  So  kann  es  geschehen,  daß  die  Familienglieder  fast  zweilllal
  so  viel  als  früher  für  ihre  Kleidung  verwenden  müffen.
Man  hat  es  oftmals  versucht,  der  übertriebenen  Kleiderpracht  durch  ge-'^liche
  Verbote  entgegenzutreten.  Die  deutschen  Staaten  und  Städte  haben
            
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