Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

198

H.  Buch.  Der  Güteraustausch.

eine  Art  Versicherung  gegen  das  Steigen  resp.  das  Fallen  der  Preise  aufzufassen
und  nicht  minder  für  die  Käufer  als  für  die  Verkäufer  von  Vortheil.
In  den  Ländern  des  Orients  wird,  wie  bekannt,  eine  unglaubliche  Menge
Zeit  mit  Handeln  und  Feilschen  verloren.  So  wird  in  den  Bazaren  von
Tunis  bei  theuren  Sachen  etwa  das  Vierfache  der  Summe  gefordert,  um
welche  sie  endlich  hergegeben  werden.  Man  kann  sich  also  vorstellen,  wie
viele  Zeit  mit  dem  Vorschlagen  immer  geringerer  Preise,  mit  den  Einwendungen ­
  gegen  die  Forderungen,  mit  Betheuernngen,  daß  man  den  Gegenstand ­
  nicht  billiger  lassen  könne,  u.  dgl.  verloren  geht.  Auch  in  den  Provincialstädten
  der  Vereinigten  Staaten  von  Amerika  begehrt  der  Verkäufer  in  der
Regel  250/0  mehr,  als  er  wirklich  zu  erhalten  hofft,  und  spielt  sich  infolgedessen ­
  um  den  definitiven  Preis  ein  förmlicher  Kampf  ab,  der  bezeichnend
jewing  down*  (wörtlich  übersetzt  ,niederjuden*)  genannt  wird.
Es  kommt  häufig  vor,  daß  sich  bei  Auctionen  nur  ein  einziger  Käufer  einfindet, ­
  daß  aber  der  erzielte  Preis  nichtsdestoweniger  ein  Marktpreis  ist,  weil
viele  ähnliche  Gegenstände  in  nicht  weiter  Entfernung  vom  Verkaufsorte  ^
Markte  gebracht  werden.  Auch  pflegt  in  den  Fällen,  in  welchen  sich  der
Käufer  nur  einem  Verkäufer  gegenüber  sieht,  diesem  letztern  der  Umstand  z»m
Nachtheile  zu  gereichen,  daß  der  Kauflustige  vermuthet,  daß  er  unter  den
gegebenen  Umständen  zu  verkaufen  wünscht.  Ferner  macht  es,  wenn  die  höchst
Summe,  welche  der  Käufer  allenfalls  zu  zahlen  sich  entschlossen  hat,  weit  höh^
ist  als  der  Preis,  unter  welchem  der  Verkäufer  die  Sache  durchaus  nicht  hcr'
geben  will,  einen  sehr  bedeutenden  Unterschied,  welcher  von  beiden  mit  seinem
Vorschlage  zuerst  herausrückt.  Auch  können  sich  bei  öffentlichen  Feilbietungen
infolge  der  Aufregung  des  zwischen  den  Bietenden  sich  entwickelnden  Wettstreites
  die  Preise  höher  stellen  als  bei  andern  Verkäufen.  Viele  Leute,  dit
nicht  Kaufleute  oder  Händler  von  Profession  sind,  besitzen  keine  vollkommen
klare  Vorstellung  davon,  welchen  Werth  ein  Gegenstand  für  sie  hat,  und  lassen
sich  durch  äußere  Einwirkungen  zu  unüberlegten  Entschlüssen  hinreißen.
Uebrigens  ist  die  Anwendung  einer  gewissen  auf  den  eigenen  Vorths
gerichteten  Geschicklichkeit  beim  Abschlüsse  von  Kaufgeschäften  gewiß  erlaubt-Dieselbe
  darf  aber  nie  an  Betrug  oder  Erpressung  streifen.  Solche  schmäh
lichen  Praktiken  kommen  indessen  nur  zu  häufig  vor  und  führen  zu  den
vielfach  anzutreffenden  übertrieben  hohen  Detailpreisen.
Es  ist  sicherlich  ganz  gerechtfertigt,  daß  die  letztern  höher  sind  als  die
Engrospreise.  Die  Vertheilung  größerer  Mengen  voll  Gütern  in  kleine  Ouam
titäten,  das  Vorräthighalten  verschiedenartiger  Waren  und  der  Einzelverkauf  veru^
sachen  bedeutenden  Zeitverlust,  viel  Mühe  und  erfordern  beträchtlichen  Kapitalansi
wand.  Das  alles  rechtfertigt  aber  llicht  die  so  häufig  ganz  übertriebene  Differed
zwischen  den  Engros-  und  den  Detailpreisen.  Ein  Grund  eines  solchen  Unte^
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.