228
II. Buch. Der Güteraustausch.
ist tlnbedingt ein Schutz gegen einen plötzlich eintretenden Geldmangel und
ein schleuniges Steigen des Tauschwerthes des Geldes.
4. Soweit die edeln Metalle nicht als Geld gebraucht werden, ist für
eine jede Art ihrer Verwendung eine bestimmte Quantität derselben erforderlich-
Man braucht eine gewisse Menge Gold, um eine Kette daraus zu machen,
wie man zur Anfertigung von ein Paar Schuhen eine gewisse Quantität
Leder nöthig hat. Zur Herstellung einer Uhr, einer Kette oder eines Pokals
ist eine Anzahl Unzen Gold erforderlich, welches auch immer der Werth des
Goldes sein mag. Wenn es sich aber um die Verwendung der edeln Metalle
zum Kaufe von Nahrungsmitteln, Kleidungsstücken oder Feuerungsmaterial
handelt, so bedarf man nicht einer bestimmten Menge von Goldkörnern oder
Unzen Goldes als Tauschmittel, sondern es kommt vielmehr auf den größeru
oder geringern Werth des Goldes oder Silbers an. Je nachdem die edeln
Metalle mehr oder weniger Werth besitzen, ist eine geringere oder grüßet
Quantität derselben erforderlich, um die zu kaufenden Gegenstände mittelst
derselben zu bezahlen. Die Verminderung der Herstellungskosten der Gold-
platten hat ebenso einen entsprechenden Gewinn an Nationalvermögen zur Folş
wie diejenige der Productionskosten von Kaffee, Thee oder Kohlen, und ebenso
gewährt die Herabminderung der Herstellungskosten des Geldes durch verminderte
Verwendung von Gold oder Silber den Vortheil, daß eine größere Quantität
dieser Metalle zu andern Zwecken verfügbar bleibt. Qb ich aber ein Kleidung^
stück mit einer als Tauschmittel dienenden Münze bezahle, die doppelt soviel
Goldgehalt hat als eine andere, ist an und für sich gleichgiltig. Es komwt
nur darauf an, daß beide Münzen gleichen Tanschwerth haben.
5. Je öfter das Geld binnen einer gegebenen Zeit von einer Hand in
die andere übergeht, d. h. je schneller sein Umlauf ist, desto geringer kann
der davon erforderliche Vorrath sein. Wenn viele schnell allfeinander folgen^
Geschäfte gemacht werden, kann man mit einem Geldbeträge ausreichen, ber
nicht größer ist als der zur Abwicklung einer weit geringern Anzahl in länget
Zwischenräumen aufeinander folgender Transactionen erforderliche.
Ein klassisches Beispiel liefert in dieser Hinsicht ein Vorgang, der M
im Jahre 1745 gelegentlich der Belagerung von Tournay abgespielt hat: b#
Commandant dieser Stadt hatte nur soviel Geld, um den Soldaten den Loh"
für eine Woche zahlen zu können; aber er fand Mittel, dieselben währen
sieben Wochen zu bezahlen, indem er das Geld, welches die Soldaten in den
Gasthäusern ausgegeben hatten, allwöchentlich von den Wirten borgte. 26 ä^
dasselbe länger als einige Tage in der Kasse des Commandanten, in b f
Tasche der Soldaten oder in den Händen der Gastwirte geblieben, so
zur Leistung der erforderlichen Zahlungen eine größere Menge desselben e '
forderlich gewesen.