Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

230

II.  Buch.  Der  Güteraustausch.

gleichzeitige  Verminderung  des  Geldgebrauches  in  den  Hähern  Klaffen  wahrscheinlich ­
  mehr  als  ausgewogen.  Haben  doch  heutzutage  so  viele,  ja
manchen  Ländern  fast  alle  reichern  Leute  ein  Conto  bei  einem  Bankier,  der
davon  auf  die  von  ihnen  ausgestellten  Checks  hin  die  größeren  Zahlungen
derselben  bestreitet.  Auf  diese  Weise  sieht  man  sich  nicht  mehr  genöthigt,  bedeutendere ­
  Barbetrage  im  Hause  aufzubewahren.
Die  Schnelligkeit  des  Geldumlaufes  ist  in  Städten  und  dicht  bevölkerten
Gegenden  sowie  da,  wo  gute  Commuuicationsmittel  vorhanden  sind,  in  der
Regel  größer  als  in  den  Ländern  mit  einer  spärlichen  und  zerstreut  lebenden
Bevölkerung,  wo  die  Menschen  nur  wenig  Gelegenheit  finden,  sich  gegenseitig
zu  begegnen.  Sodann  kommt  in  dieser  Hinsicht  viel  darauf  an,  ob  die  Zahlungen ­
  selten  oder  oftmals,  an  zahlreichen,  rasch  aufeinander  folgenden  Terminen ­
  zu  geschehen  haben.  Je  häufiger  diese  letzter»  sind,  desto  schneller  vollzieht ­
  sich  der  Umlauf.  Werden  hingegen  bedeutende  Renten-,  Dividenden-  und
Lohnzahlungen  nur  in  laugen  Zwischenräumen  gemacht,  so  müssen  vielfach
bedeutende  Summen  aufgespeichert  werden,  welche  eine  Zeitlang  todt  daliegen-Auch
  verdient  noch  erwähnt  zu  werden,  daß  sich  die  Linie  zwischen  der  Verwendung ­
  der  Edelmetalle  zu  Zahluugszwecken  und  derjenigen  zu  andern  Vestimmungen
  nicht  immer  scharf  ziehen  läßt.  So  bleiben  z.  B.  die  Münzen,
welche  jemand  als  Schatz  vergraben  hat,  noch  immer  Geld;  sie  können  jeden
Augenblick  durch  einen  Willenseutschluß  des  Eigenthümers  in  Umlauf  gesi^
werden,  obgleich  sie  auf  eine  Zeitlang  ihrer  eigentlichen  Bestimmung  entzogen
sind,  um  eine  zwar  unproductive,  aber  dafür  ganz  sichere  Vermögensanlagc'
zu  bilden.  Wird  aber  das  Geld  so  lange  zurückbehalten,  daß  es  außer
gesetzt  wird,  so  hört  es  auf,  Geld  zu  sein,  da  es  dann  nicht  mehr  als  Tauschmittel
  dienen  kann,  sondern  den  Charakter  von  Gold-  oder  Silberbarren  oder
-Platten  angenommen  hat.
6.  Endlich  ist  noch  eine  Eigenthümlichkeit  des  Geldes  zu  erwähnen;
Nachfrage  danach  kann  von  seiten  der  Staatsregierung  fast  ganz  dadurch
beseitigt  werden,  daß  diese  dein  Gelde  ein  anderes  Umlaufsmittel  substitut
und  dadurch  den  Bargeldzahlungen  fast  vollständig  ein  Ende  macht,
ist  infolge  des  Umstandes  möglich,  daß  die  Menschen  überhaupt  nur  eines  allgemein ­
  angenommenen  Umlaufsmittels  bedürfen,  mit  welchem  sie  ihre  Verpflichtungen ­
  begleichen  können.  Daß  dieses  Umlaufsmittel  gerade  Geld  i ,rt
eigentlichen  Sinne  des  Wortes  sei,  ist  durchaus  nicht  nothwendig.  Wenn  daher ­
  in  einem  Lande,  in  welchem  die  Goldwährung  herrscht,  die  Regieras
Münz-  oder  Werthzeichen  aus  Papier  ausgibt,  deren  Werth  darauf  beruh  '
daß  sie  von  denjenigen,  in  deren  Besitz  sie  sich  gerade  befinden,  beim  9^?'
geb  er  jederzeit  gegen  den  auf  ihnen  genannten  Goldbetrag  eingelöst  werd?'
können,  —  wenn  dieselbe  also  sogen.  Staatspapiergeld  in  Ilmlauf  setzt  ""
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.