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II. Buch. Der Güteraustausch.
drücken. Uebrigens kann es selbst bei nicht beträchtlicher Abnutzung vor
kommen, daß man die Münzen einschmelzen oder sonst ans dem inländischen
Verkehr verschwinden laßt, weil man Gold oder Silber für den Export be
darf. Um dem zu begegnen, empfiehlt es sich, in dieser oder jener Form eine
Prägegebühr einzuführen. Dadurch erhalten die Münzen in der Regel einen
entsprechend größern Tauschwerth und würde demnach das Einschmelzen der
selben keinen Gewinn, sondern Verlust bringen.
Wollte der Staat aber den Versuch machen, sich durch eine hohe Prķ
gebühr eine bedeutende Einnahmequelle zu verschaffen, so würde das dazu
führen, daß man zu Münzzeichen und andern Stellvertretern des Geldes
seine Zuflucht nähme, und daß dadurch auch ein vermehrter eintrieb zur An
fertigung falscher Münzen hervorgerufen würde. Dagegen erscheint eine Präge-
gebühr, welche mindestens den Prägungskosten gleichkommt, ganz angemessen-
Wird eine solche nicht eingehoben, so besteht die Gefahr, daß eine künstliche
Entwerthung der Metallwährung eintrete, und auch ganz abgesehen von der
Gefahr, daß die Münzen eingeschmolzen werden könnten, ist ein größerer
Betrag derselben erforderlich, um eine gewisse Menge von Zahlungen bestimmten
Umfangs machen zu können. Das aber bedeutet eine, zwar nicht große, aber
immerhin zwecklose Verschwendung von Nationalvermögen.
Am Ende des vorigen Kapitels war bereits die Rede von den Übeln
Wirkungen, welche sowohl ein bedeutendes Steigen als ein beträchtliches Fallen
des Tauschwerthes des Geldes und als Folge davon ein allgemeines Hinunter-
beziehentlich Hinaufgehen der Preise nach sich zieht. Ein noch bei weites
schlimmeres Uebel ist die künstliche Herbeiführung von Werthveränderungen
der Tauschmittel, mit andern Worten, die Herabsetzung des Münzfuß
von seiten der Staatsgewalt. Man ist dabei auf dreierlei Weise vor-
üegmiücn: -
1. auf dem Wege der Fälschung, indem man zwar eine Quantität ^
mettili von gleicher Schwere als Grundlage des Münzfußes beibehielt, delN-
selben aber eine stärkere Mischung werthlosen Metalls beifügte;
2. indem man Goldstücken von kleinerem Umfang und Gewicht den Wcr^
größerer und schwererer beilegte und das Publikum zwang, sie zu diesem Wer y
anzunehmen. Derartige offenkundige Gewaltmaßregeln sind im Laufe der
oftmals versucht worden und auch zur Durchführung gelangt. Das
alter ist an Beispielen größter Mißbräuche dieser Art nur zu reich. ^
3. Endlich gibt es noch eine dritte, insbesondere den Verhältnissen unsers
Zeitalters entsprechende Art: die übermäßige Ausgabe unverzinslicher Umlauf
mittel aus Papier, also eine zu große Emittirung von Papiergeld, wie #
es gemeiniglich nennt. Eine solche vollzieht sich in der Weise, daß ^
Umlaufsmittel über den Betrag hinaus, welcher zur Ersetzung des aus e