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II. Buch. Der Güteraustausch.
Auch würde, was das soeben erwähnte Beispiel der Vereinigten Staaten nach
Ende des Secessionskrieges anlangt, das Vertrauen in die Verwerthung eines
Theiles ihrer Hilfsquellen größer gewesen und dementsprechend ein bedeutenderes
Sinken des Goldagios nicht eingetreten oder vielmehr nicht herrschend geblieben
sein, wenn dieselben nicht so gewaltige Schulden auf sich lasten gehabt hätten.
Bevor wir unsere Besprechung der Währungsverhältnisse schließen, müssen
wir noch einen sehr wichtigen Punkt erörtern. Bisher ist nur von dem sogen-
Monometallismus, d. h. von demjenigen Münzsystem die Rede gewesen, welchem
zufolge ausschließlich eines der beiden Edelmetalle, das Gold oder das Silber,
zur Herstellung des Courantgeldes des betreffenden Landes verwendet wird-
Nun ist es aber häufig vorgekommen, daß eine Anzahl von Staaten das
System der Doppelwährung, den Bimetallismus, angenommen hat. Das
selbe besteht, wie schon der Name andeutet, darin, daß nicht nur Gold-,
sondern auch Silbermünzen als Courantgeld, d. h. als von jedermann bei
allen Zahlungen anzunehmendes Metallgeld in Umlauf sind, und daß zwisch^
einer gewissen Menge Goldes von einem bestimmten Feingehalte und einer
gleichfalls bestimmten Menge Silbers von genau festgesetztem Feingehalte ein
bestimmtes gegenseitiges Werthverhältniß gesetzlich sanctionirt ist. So wurde
z. B. von der Lateinischen Münzunion, zu welcher Frankreich, Italien, Belgien,
die Schweiz und Griechenland gehören, das Verhältniß des Goldes zum Silber
in der Art festgesetzt, daß die Unze feinen Goldes sich zu derjenigen feinen
Silbers wie 1 zu 15,5 verhält. Nun kann aber ein solches Werthverhältn'tz
factisch nur so lange aufrecht erhalten werden, als sich der Marktpreis de
beiden Metalle in der entsprechenden Höhe hält. Ist das nicht mehr de
Fall und sinkt beispielsweise der Tauschwerth des Silbers in beträchtlichem
Maße, während sich derjenige des Goldes gleich bleibt oder sogar steigt, dann
tritt das Greshamische Gesetz in Wirksamkeit: das zu hoch bewerthete Meta
vertreibt das zu niedrig geschätzte aus dem Verkehre des betreffenden Lande -
So werden denn daselbst alle Zahlungen nur mehr in einer Metallsorte
macht und herrscht thatsächlich der Monometallismus. .
Solche Erfahrungen und die unvermeidlichen schlimmen Folgen der
währenden Geldwerthschwankungen, die mit der Verwendung eines hochgradig^
Preisschwankungen unterworfenen Metalls zur Herstellung des Courantgeld^
verbunden sind, haben in der neuern Zeit verschiedene Staaten bewogen, '
mehr oder minder entschiedener Weise von der Doppelwährung zum
metallismus, und zwar zur Goldwährung überzugehen. Nachdem sich ^
land derselben bereits im Jahre 1816 zugewendet, hat Deutschland M
Schritt im Jahre 1873 gethan, wenn auch nicht mit vollster Entschiedene '
indem eine beträchtliche Anzahl im Umlauf befindlicher Thaler nach wie
den Charakter des Courantgeldes behielt. In ähnlicher Weise ist man n