Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

250  II.  Buch.  Der  Güteraustausch.
zum  guten  Theil  aber  auch  in  der  Furcht  vor  den  immer  gefährlichern  und
häufigern  Arbeitseinstellungen  des  mehr  und  mehr  sich  organisirenden  vierten
Standes  ihre  Begründung  hat.  Dagegen  fand  ein  weiteres  Steigen  der  Lohne
in  der  Regel  nicht  statt,  ja  hier  und  da  sind  sogar  unbeträchtliche  Herabsetzungen ­
  vorgenommen  worden,  große  indessen  nur  selten.  Hauptsächlich  9 e
schah  dies  in  England  und  in  Nordamerika,  und  zwar  in  Unternehmungen,  M
welchen  das  System  der  beweglichen,  nach  dem  Verkaufspreise  der  Producte
sich  richtenden  Lohntarife  in  Kraft  stand.  Die  Bezüge  der  den  sogen,  liberalen
Berufsarten  angehörigen  Personen  sind  ungeschmälert  geblieben.  Dagegen  zeigte"
die  Wohnungsmiethen  vielfach  eine  Tendenz  zum  Steigen,  während  sie  anderwärts ­
  stationär  blieben  K
Wenn  man  nun  alle  diese  Thatsachen  in  Betracht  zieht  und  den  Ora  >
in  welchem  die  Preise  gefallen  sind,  damit  vergleicht,  so  könnte  man  sich  ^
der  Annahme  veranlaßt  fühlen,  daß  sich  die  Kaufkraft  des  Geldes  währen
dieser  Periode  vielfachen  Preisfalles,  die  etwa  bis  zum  Jahre  1887  dauerte,
um  10—12%  vermehrt  habe.  Aber  es  hat  sich  schon  wieder  eine  Eşşş
des  Aufschwungs  der  Geschäfte  eingestellt,  welche  ungefähr  vom  Jahre  18^
her  datirt  werden  kann  und  mit  einer  Steigerung  eines  Theiles  der  Ware"-preise
  Hand  in  Hand  ging,  ohne  daß  jedoch  diese  Preise  die  Höhe  der  vo^
hergehenden  Hausseperiode  wieder  erreicht  hätten.  Auch  die  Löhne,  die  Mie^
zinse,  die  Schiffsfrachten  u.  a.  haben  sich  von  neuem  höher  gestellt,  währen
eine  große  Anzahl  von  Gegenständen,  z.  B.  die  Erzeugnisse  der  Text'-unb
  der  Eisenindustrie,  welche  infolge  der  technischen  Betriebsvervollkomi^
nungen  im  Preise  gesunken  waren,  billig  blieben'^.  Zieht  man  das  alles  '
Betracht,  so  kann  man  nicht  wohl  von  einer  Goldvertheuerung  reden,  sond"
man  muß  behaupten,  daß  das  Geld  um  das  Jahr  1893  in  den  Länder
der  Goldwährung  schließlich  keine  größere  Kaufkraft  besaß  als  um  das  ^
1877.  Wäre  das  Gold  nicht  mehr  in  hinreichender  Menge  Vorhand^
um  dem  Bedarfe  nach  Goldmünzen,  wie  er  sich  im  Laufe  der  Jahre  e"
wickelt  hat,  zu  entspreche«,  so  müßte«,  wenn  auch  nicht  sämtliche  PwO
so  doch  diejenigen  der  Gegenstände,  bei  denen  besondere  und  betrüchG^
Aenderungen  der  die  Preisbildung  beeinflussenden  Verhältniße,  z.  B.
stark  vermehrte  Nachfrage,  nicht  eingetreten  sind,  sowie  auch  ein  großer  3%
der  Löhne  dauernd  niedrig  geblieben  oder  sogar  noch  mehr  gefallen  sein.  ®
ist  aber,  wie  wir  gesehen  haben,  nicht  der  Fall.  Aus  einer  eingehendern  ^
obachtung  der  Vorgänge,  die  sich  in  den  verschiedenen  Productionszwe'g
abgespielt  haben,  ergibt  sich,  daß  die  Ursache  des  Preisfalles  in  den
von  ungefähr  1877  bis  1887  weit  mehr  in  etwas  anderem  als  in  ei

1  CI.  Jannet  1.  c.  578.  579.

-  Ibid.  579.
            
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