324
III. Buch. Die Vertheilung der Güter.
Zudem waren bei der Mangelhaftigkeit der Verkehrs- und der Transpôs
mittel, welche eine für ein weites Gebiet gütige Preisbildung verhinderte un
dem Aufkommen einer gleichartigen Lebenshaltung der arbeitenden **
durchaus nicht förderlich war, die Pachtzinse in den einzelnen kleinen Gebie
so verschieden und die Währungsverhältniffe so mannigfaltige und schwanken. r
daß bei dem gegenwärtigen Stande der Forschung die Beantwortung
Frage, ob die Grundrente im spätern Mittelalter und in den darauf î oI S en
Jahrhunderten, welche die mittelalterliche Agrarordnung noch mehr oder wemg^
beibehielten, eine dauernde Neigung zum Steigen oder zum Fallen hatte, o
ob gar keine regelmäßige Bewegung derselben stattfand, bezüglich der ^
Gebiete kaum möglich sein wird. Auch betreffs der von den städtischen ru
stücken und den auf ihnen erbauten Häusern während des spätern Mitte a
bezogenen Renten läßt sich nur schwer etwas allgemein Giltiges behaup '
Der Umstand, daß eine jede Familie in der Regel ihr eigenes Haus, 11 ^
zwar allein, bewohnte und daß andere Häuser wie die Landgüter #
einen immerwährend sich gleich bleibenden Zins überlasten wurden, wirkt
hinderlich und läßt bestimmte Resultate der Forschungen nur sehr schwer )
stände kommen. ^
So muß man sich denn auf die Behauptung beschränken, daß die ( r _
rente bei armen und wenig cultivirten Völkern und namentlich in Gegen ^
mit dünner Bevölkerung niedrig ist 1 , dagegen bei zunehmender Cultur '
folge der verbesserten Technik der Landwirtschaft zu steigen pflegt, wenn M
die Bevölkerung entsprechend zunimmt, und soweit eine Production şrw
Erzeugnisse des Grundes und Bodens und der Viehzucht in größeren! » ^
stabe stattfindet, auch die Zahl der wohlhabenden, solche Producte consuwu
den Personen sich steigert. Dies alles ist nun in der neuern Zeit f# .
vielfach der Fall gewesen. Während das Anwachsen der Städte mit 1
zahlreichen zur Miethe wohnenden Bevölkerung ein sich seit dem 17. ^
hundert im großen und ganzen ständig vollziehendes, rapides Steigen de
den Häusern gezogenen Zinses mit sich brachte, hat etwa seit dem 1<>- G
hundert auch der landwirtschaftliche Betrieb eine weitgehende Vervollkommn
erfahren. _
Seit dem Erscheinen des Werkes Théâtre d’agriculture von - .he
de Serres, des Mitarbeiters Heinrichs IV. und Sullys, hat eine ^ ^
von Schriftstellern und eine bedeutende Anzahl tüchtiger Fürsten mäch ^
der Hebung der Landwirtschaft gearbeitet. Gleichzeitig vollzog sich
Zeiten großer Kriege ausgenommen, eine gewaltige und ständige Bevolteu ^
zunähme, und so muß man denn Roscher beipflichten, wenn er sag
Roscher a. a. O. 327. 328.