Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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I.  Buch.  Production  und  Consumtion.

Davon  wird  spater  noch  bei  der  Entwicklung  des  fünften  leitenden  Begriffs ­
  »Kapital 4  weiter  die  Rede  sein.  Uebrigens  können  Güter  in  ihrer  Verwendung ­
  den  beiden  Zwecken,  unmittelbaren  persönlichen  Vortheil  für  das
menschliche  Leben  zu  gewähren  und  neue  Vermögenstheile  zu  produciren,  gleichzeitig ­
  dienen.  Dahin  gehören  der  Lohn  der  Arbeiter,  die  Ausgaben  für  den
Unterhalt  und  die  gewerbliche  Ausbildung  junger  Leute,  um  diese  zu  tüchtiger
productiver  Berufsthätigkeit  zu  befähigen,  der  Gehalt  für  die  Professoren
an  technischen  Hochschulen,  Gewerbeschulen  u.  s.  w. 1
Production  und  Consumtion  sind  aber  nichtsdestoweniger  etwas  Grundverschiedenes. ­
  Tie  erstere  existirt  behufs  Ermöglichung  der  letztern,  und  das
anzustrebende  Ideal  ist,  ein  größtmögliches  Maß  der  letztern  mittelst  eines
Minimums  der  erstern  zu  erreichen.
Man  wolle  übrigens  beachten,  daß  der  Transport  und  der  Verkauf  von
Gütern  mit  der  Verfertigung  derselben  gewissermaßen  auf  gleiche  Stufe  zu
stellen  und  daß  die  Reparatur  von  Gütern  gleichbedeutend  mit  einer  neuen
Herstellung  derselben  ist.  Alle  diese  Vorgänge  sind  im  weitern  Sinne  zur
Production  zu  rechnen.
Werthe  im  Privatgebrauche  sind  in  den  vereinzelt  lebenden  Familien  und
sogar  auf  Robinson  Crusoes  Insel  vorhanden.  Aber  der  Mensch  ist  ein
sociales  Wesen,  und  so  erscheint  bei  civilisirten  Völkern  die  andere  Art  von
Werthen.  Es  gibt  bei  ihnen  Werthe,  die  gesellschaftlichen  Zwecken  dienen,
d.  h.  es  sind  Güter  vorhanden,  welche  für  Zwecke,  die  über  den  Bereich  der
Familie  hinausliegen,  geschützt  werden  können.
Auch  von  dieser  Art  des  Werthes  sind  je  nach  der  Bestimmung,  wozu
die  einzelnen  Güter  verwendet  werden,  wieder  Unterabtheilungen  zìi  nnterscheiden:
  Wenn  die  Güter  andern  umsonst  überlassen  werden,  so  haben  sie
einen  Geschenks  werth.  Wenn  aber  ein  anderes  Gut  oder  eine  bestimmte
Menge  von  Gütern  als  Entgelt  für  die  Ueberlaffung  gefordert  wird,  so  sind
sie  Tanschgüter  und  besitzen  Tau  sch  werth.
Aber  hier  ist  schon  wieder  ein  Unterschied  zu  machen.  Viele  Güter  und
insbesondere  materielle  Güter  können  unmittelbar  von  einer  Person  auf  die
andere  übertragen  werden.  Besteht  nun  das  Entgelt  für  diese  Uebertragìlng
im  Empfang  anderer  Güter,  so  ist  diese  Transaction  ein  T  a  u  s  ch  im  engern
Sinne  und  können  die  betreffenden  Güter  Waren  genannt  werden.
Nimmt  man  das  Wort  Tausch  in  diesem  stricten  Sinn,  so  ist  Thorntons
Ausspruch:  »Keine  Art  von  Diensten  kann  Gegenstand  eines  Tausches  fein 4 ,
unbedingt  richtig.  Dies  ist  aber  nicht  der  Fall,  wenn  man  das  Wort  in
1  Siehe  K.  H.  Rau,  Grundsätze  der  Volkswirtschaftslehre  II  (8.  Aufl.,  Leipzig
1869),  129.
            
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