Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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I.  Buch.  Production  und  Consumtion.

Man  wolle  sich  noch  zweierlei  gegenwärtig  halten:  1)  Obgleich  es  von
Wichtigkeit  ist,  klare  und  bestimmte  Begriffe  und  Definitionen  zu  geben  und
an  den  einmal  gegebenen  festzuhalten,  so  darf  man  immerhin  den  Begriffsbestimmungen ­
  und  technischen  Ausdrücken  nicht  allzu  großen  Werth  beimeffen.
Es  handelt  sich  doch  vor  allem  um  die  Gegenstände  und  die  Verhältniffe
selbst  und  dann  erst  um  Worte  und  Benennungen.  Darauf  kommt  es  an,
ob  wir  die  Volkswirtschaftslehre  zu  den  ethischen  Wissenschaften  rechnen  oder
nicht,  und  wenn  wir  dies  thun,  handelt  es  sich  vornehmlich  um  die  zu  befolgenden ­
  Grundsätze,  und  zwar  viel  mehr  als  um  die  Definitionen  der  Begriffe
Vermögen,  Werth  oder  Kapital.
2)  Sodann  aber  soll  man  nicht  nach  größerer  Genauigkeit  streben,  als
sie  die  Natur  der  Dinge  mit  sich  bringt.  Man  kann  allerdings  viele  wirtschaftliche ­
  Güter  nach  Zahl,  Gewicht,  Ausdehnung  und  bisweilen  auch  nach
ihrer  Muskel-  oder  ihrer  mechanischen  Kraft  messen.  Aber  solche  Meffungen
sind  oft  ohne  Werth,  weil  die  Nützlichkeit  und  der  Werth  der  betreffenden
Güter  für  den  Gebrauch  der  Einzelnen  sich  für  einen  jeden  verschieden  bestimmt ­
  und  deshalb  nicht  genau  bemessen  werden  kann.  Mit  dem  Tauschwerth ­
  ist  es  allerdings  etwas  anderes;  mit  seiner  Bemessung  werden  wir  uns
im  zweiten  Buch  bei  der  Besprechung  der  Preise  zu  beschäftigen  haben.  Aber
viele  Güter  haben  keinen  Preis;  und  sogar  für  Güter,  die  einen  solchen  haben,
bildet  er  oft  einen  unvollkommenen  Maßstab.  Es  ist  ein  irrthümliches  Vorgehen, ­
  wenn  man  das  wirkliche  häusliche  und  nationale  Leben  in  Tabellen
zwingen  will  und  glaubt,  mit  statistischen  Angaben  über  Löhne  oder  andere
Einkommen,  über  Einfuhr  und  Ausfuhr  oder  über  den  Verbrauch  von  Zucker
und  Kaffee  tt.  s.  w.  auf  den  Kopf  der  Bevölkerung  besitze  man  auch  eine
Vorstellung  von  dem  Wohl-  oder  llebelergehen  der  Menschen,  von  ihrem  sittlichen ­
  Verhalten,  von  dem  Grade  ihrer  intellectuellen  Bildung,  von  ihrer
Religiosität,  von  ihrer  Zufriedenheit  und  von  dem  Maße  socialen  und  häuslichen ­
  Friedens,  dessen  sie  genießen.

Bei  der  ungemeinen  Wichtigkeit  der  Begriffe  Werth,  Gebrauchswert!)  u.  s.  w.  ist
es  nicht  überflüssig,  auf  die  diesbezüglichen  Definitionen  einiger  besonders  hervorragenden ­
  volkswirtschaftlichen  Schriftsteller  hinzuweisen.  Nachdem  schon  Aristoteles
(lloÀizîia  I,  9)  einen  Unterschied  zwischen  Gebrauchs-  und  Tauschwerth  gemacht  hat,
ist  in  neuerer  Zeit  von  Ad.  Smith'  auf  denselben  hingewiesen  worden.  Gewisse
gegen  nahmen  unter  andern  Jean  B  a  p  t.  S  a  y  (Traité  d’économie  politique  I  [Paris
1802],  13),  M'Cul  lo  ch  (1.  c.  II,  2.  3)  und  Roscher  (a.  a.  O.  81)  die  im  Text
dargelegte  Unterscheidung  an.
'  Inquiry  into  the  nature  and  causes  of  the  wealth  of  nations  II  (London
1776),  deutsch  von  Garve  und  Dörrien  I  (3.  Aufl.,  Breslau  1810),  43.
            
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