11. Kap. Trügerische Lösungen wirtschaftlicher Schwierigkeiten. 429
in der ersten und in der dritten Periode ihrer Existenz zu erfreuen hatten,
hat nur eine geringe Zahl derselben Bestand gehabt; und diese lebenskräftigen
Verbände sind im Grunde genommen nichts anderes als Unternehmergenossen
schaften, bei denen die Unternehmer allerdings selbst Hand anlegen und mit
arbeiten, aber zugleich um Lohn gedungene Arbeiter beschäftigen. Solcher
Productivgenosienschaften gab es im Jahre 1884 in Paris 50—60 und
außerdem noch einige in den Departements. Die geringe Zahl ihrer Mit
glieder, die neuen Genossen den Eintritt in ihre Gesellschaft schwer machen
oder ganz versagen, um den Unternehmergewinn allein einstreichen zu können,
beweist einerseits die geringe Borliebe, welche das Gros der Arbeiter für
derartige Organisationen hegt. Dieselben können sich nur schwer dazu ent
schließen, in Vereinigungen einzutreten, für die sie anfangs Opfer bringen
wüsten, deren Erfolg nicht vollkommen sicher ist. Andererseits erklärt sich aus
dieser kleinen Mitgliederzahl aber auch das günstige materielle Resultat, welches
s° manche Productivgenossenschaften aufzuweisen haben. Es sind eben Elite
orbeiter, aus denen sich dieselben zusammensetzen. Da konnte es allerdings
on Erfolgen nicht fehlen. Die Genossenschaft der Maurer in Paris z. B. hatte
nn Jahre 1868 einen Reingewinn von 130 000 Francs aufzuweisen, von
denen 30 000 zum Reservefonds geschlagen wurden, während an die einzelnen
Mitglieder Summen von 500—1500 Francs zur Bertheilung gelangten. Zu
gleicher Zeit zahlte die Genossenschaft der Bijoutiers den ihrigen einen Rein-
gkwinnantheil aus, welcher dem von ihnen bezogenen Lohne gleichkam.
Aehnlich wie in Frankreich ist es auch anderswo. In England z. B. gab
cö im Jahre 1888 42 Productivgenosienschaften mit über 7000 Mitgliedern
iinb einem Gesamtkapital von gegen 1 Million Pfund Sterling. Was will das
ober in einem Lande heißen, welches Millionen von Industriearbeitern zählt!
Es darf eben nicht verkannt werden, daß zur einheitlichen Führung eines
industriellen oder eines commerciellen Etablissements ebenso wie zum schwung-
basten Betriebe der Landwirtschaft fast immer die Leitung des Unternehmers
unentbehrlich ist, sei es nun, daß ein oder mehrere hochgebildete Männer
als Unternehmer auftreten, oder daß sich Kapitalisten zur Bildung einer
Aktiengesellschaft vereinigen, um die Leitung durch sachverständige Directoren
und einen einsichtigen Berwaltungsrath ausüben zu lassen. Eine Menge der
Allgemeinbildung und des commerciellen Wissens entrathender Arbeiter, die
nur durch ihr technisches Wissen befähigt sind, bei der Leitung eines in ihren
Händen befindlichen Unternehmens mitzureden, vermag dasselbe nur in Aus-
uohmsfällen erfolgreich zu leiten 1 .
1 P. Hubert-Valleroux, Les associations coopératives en France et à l’étranger
(Paris 1884) 1—120. 341—888. Siehe auch den Aufsah .Productivgenossenschasten'