Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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III.  Buch.  Die  Vertheilung  der  Güter.

Bevölkerung  am  meisten  benöthigt,  ist  ein  sicheres  und  ständiges  ausgiebiges  Auskommen, ­
  welches  beträchtlichen  Schwankungen  nicht  unterliegt.  Ein  solches  läßt
sich  ohne  Betheiligung  am  Geschäftsgewinn  und  zwar  dadurch  erzielen,  daß  den
fleißigen  Arbeitern  bestimmte  Belohnungen  gewährt  und  für  besonders  sorgfältig ­
  hergestellte  Erzeugnisse  sowie  für  Ersparnisse  an  Material  Prämien
ausgesetzt  werden,  ferner  auch  dadurch,  daß  den  Arbeitern  bei  besonders  hohen
Geschäftserträgnissen  freiwillige  Gratisicationen  bewilligt  werden.  Auf  diese
Weise  wird  es  auch  vermieden,  daß  man  gegen  die  Unternehmer  ungerechte
Anklagen  erhebt,  als  verheimlichten  dieselben  zum  Theil  den  von  ihnen  gemachten
Gewinn  —  Beschuldigungen,  die  natürlich  zu  den  unangenehmsten  Verhältniffen
zwischen  Herren  und  Arbeitern  führen  müssen.  Auch  wird  es  auf  diese  Weise
nicht  nothwendig,  die  Einsicht  in  die  Geschäftsbücher  Elementen  zu  gestatten,
die  eventuell  wenig  vertrauenswürdig  sind  und  dem  Unternehmen  durch  ihre
Indiscretion  großen  Schaden  zuzufügen  vermögen.
Aber  auch  in  den  Fällen,  wo  eine  eigentliche  Gewinnbetheiligung  der
Arbeiter  stattfinden  kann  und  stattfindet,  führt  dieselbe  noch  durchaus  nicht
zur  Lösung  der  socialen  Frage.  Sie  sichert  nicht  den  dauernden  Lebensunterhalt ­
  und  ebensowenig  den  Frieden  zwischen  Unternehmern  und  Arbeitern.
6.  der  Socialismus.  Die  Quintessenz  desselben  besteht  in  zwei
Behauptungen.  Seine  Anhänger  gehen  von  der  Ansicht  aus,  daß  einerseits
die  Ungleichheit  der  menschlichen  Existenzbedingungen,  der  Unterschied  zwischen
reich  und  arm,  zwischen  Herren  und  Dienenden  die  Hauptursache  von  Elend
und  Verbrechen  sei,  und  daß  sich  andererseits  die  größtmögliche  materielle
Wohlfahrt  der  Menschen  dadurch  erreichen  laste,  daß  der  Staat  sämtliche
Productionsmittel  in  Besitz  nehme  und  sämtliche  Produktionszweige  zu  Gegenständen ­
  der  öffentlichen  Verwaltungsthätigkeit,  die  Gesamtheit  der  Arbeiter
aber  zu  staatlichen  Functionären  uniche,  welche  aus  seinen  Kaffen  zu  entlohnen ­
  wären.
Dieser  Irrwahn  ist  der  sociale  und  volkswirtschaftliche  Mode-Irrthum
unserer  Zeit.  Man  bezeichnet  ihn  am  häufigsten  mit  dem  Namen  Socialismus. ­
  Daneben  wird  auch  der  Ausdruck  Eollectivismus  gebraucht.  Noch  weiter
geht  der  Kommunismus,  welcher  nicht  einmal  an  den  Gebrauchsgegenständen ­
  und  den  Genußmitteln  ein  Eigenthumsrecht  anerkennt,  infolgedessen
dem  Familienleben  schwere  Hindernisse  bereitet  und  leicht  zur  Weibergcmeinschaft
  führt,  während  der  Socialismus  das  Privateigenthum,  das  Erbrecht
und  die  Erlaubtheit  von  Schenkungen  zwischen  Privatleuten  bis  zu  einer  gewissen ­
  Grenze  anerkennt,  nämlich  insoweit,  als  es  sich  um  Möbel,  Zieraten,
Schmucksachen,  Bücher,  Häuser,  Gärten  u.  dgl.  handelt.
Weiter  noch  als  der  Kommunismus  geht  der  Anarchismus.  Derselbe
strebt  die  Beseitigung  jeder  Art  der  Regierung,  jeder  Form  gesetzlichen  Eigen-
            
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