Full text: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

494 
IV. Buch. Nachträge. 
stände und Verhältniffe oder auch nur die Mehrheit der socialen und öko 
nomischen Facta der Jetztzeit genügend aufzuhellen, aus den verhältnißmüßig 
wenigen Daten, die gesammelt sind, bis zu einer bestimmten Grenze andere 
Schlüsse ziehen, als der entschiedene Anhänger der corporativen Zwangs 
organisation ; er wird den Menschen, deren gegentheilige Handlungsweise nicht 
sozusagen actenmäßig festgestellt ist, eher eine vernünftige und humane Hand 
lungsweise zutrauen, die ihnen innewohnende Kraft zu einer erfolgreichen 
Initiative höher schätzen, eben weil sich sein Urtheil unter dem Einflüsse 
seiner eigenen nicht schwarz sehenden Individualität, günstiger persönlicher 
Erfahrungen u. dgl. gebildet hat, — während diejenigen, die Gelegenheit hatten, 
in mancherlei schlimme Verhältnisse persönlich Einblick zu gewinnen, oder 
dem germanischen Geiste entsprechend von einem lebhaften Corpsgeiste erfüllt 
sind, eine ausgesprochene Vorliebe für die Einordnung in genossenschaft 
liche Verbände bezw. die Unterordnung unter eine starke staatliche Zucht zu 
besitzen Pflegen. 
Gründlichere Aufschlüsse über die thatsächlich bestehenden Zustände, weitere 
Fortschritte in der Psychologischen Erforschung der menschlichen Natur, denen 
selbstredend auch die auf entschieden christlicher und ausgesprochen katholischer 
Grundlage stehenden Oekonomisten und Sociologen die eingehendste Aufmerk 
samkeit schenken müssen — denn die christliche und insbesondere die katholische 
Lehre entscheiden ja nur über die Grundprincipien der Socialwissenschaft und 
der Volkswirtschaftslehre —, werden zwar das Feld, auf dem auch noch unter 
den Katholiken Meinungsverschiedenheiten stattfinden können, erheblich ein 
schränken, es aber nicht zuwege bringen, daß in Zukunft ein solches Gebiet, 
innerhalb dessen Grenzen Fehden entstehen und sehr verschiedenartige Maßregeln 
angewandt werden können, nicht mehr existiren wird. 
Darum ist denn nicht zu verwundern, wenn auch unter den christlichen 
und sogar unter den katholischen Gelehrten erhebliche Meinungsdifferenzen be 
stehen und sich innerhalb dessen, was man im großen und ganzen die christ 
liche Schule nennen kann, verschiedene, zum Theil recht weit auseinander gehende 
Richtungen gebildet haben. 
Werfen wir zunächst einen Blick auf die Länder des französischen 
Sprachgebietes. Hier hatten schon Männer wie Graf Joseph de Maistre 
und Vicomte Louis de Bonald, wenn sie gleich selbst keine volkswirtschaft 
lichen Schriftsteller waren, doch durch ihre politischen Schriften den Boden 
für eine auf dem Standpunkte des Katholicismus stehende systematische Be 
handlung der ökonomischen Fragen bereitet. Auch der katholische Demokrat 
Bûchez, welcher in den vierziger Jahren dieses Jahrhunderts seine Idee der 
Cooperativassociation zuerst verwirklichte, trug zur Verbreitung der ethischen 
Auffassung der wirtschaftlichen Fragen bei.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.