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IV. Buch. Nachträge.
menschlichen Gesellschaft übertragenes Lehen? ,Der Betrieb des Gewerbes ist
ein dem Unternehmer anvertrautes Amt? Auf diese Art wird offenbar der
öffentlich-rechtliche Charakter dieser Institutionen, wie sie ihn nach der Meinung
aller wahrhaft sittlich und christlich Gesinnten allerdings bis zu einem gewiffen
Grade besitzen, ungemein stark betont, und zwar so stark, daß der private
Charakter, die unabhängige Ausübung dieser Rechte unter Umständen mehr
in den Hintergrund tritt.
Diese Richtung zählt übrigens auch in Deutschland Anhänger. Ihr
eigentliches Thätigkeitsfeld findet sie aber in Oesterreich. Als ihre wissenschaftlichen
Hauptvertreter sind Freiherr Karl von Vogelfangs, P. Albert
Maria Weiß 0. Pr. 2 , Karl Scheimpflug^ und F. M. Schindler*
zu nennen.
Auch die positiv christlich gesinnten Kreise des protestantischen
Deutschlands haben mehrfache Leistungen auf dem Gebiete der
Volkswirtschaftslehre aufzuweisen. Dem von Hermann Wagener, einem
hervorragenden Vertreter der christlichen Weltanschauung und der couservativen
Ideen, herausgegebenen Staats- und Gesellschafts-Lexikon (Berlin 1859—1867)
lieh eine bedeutende Reihe von Autoren ihre Mitwirkung. Unter den ältern
Schriftstellern dieser Richtung ist auch der später zum Katholicismus übergetretene
H. Rösler (Grundsätze der Volkswirtschaftslehre. Rostock 1864)
zu nennen. Die Tendenzen dieser Schule haben, was das eigentlich sociale und
wirtschaftliche Gebiet anlangt, im großen und ganzen eine große Aehnlichkeit
mit denjenigen der soeben charakterisirten Gruppe österreichischer Katholiken;
ist doch Freiherr von Vogelsang aus den norddeutschen Kreisen, in
denen diese Tendenzen wurzeln, selbst hervorgegangen.
Unter den neuern Verlautbarungen der gläubig protestantischen Kreise
sei auf die Denkschrift des Centralausschuffes für innere Mission 6 und auf
1 Derselbe hat seine Anschauungen in vielen, namentlich im Wiener .Vaterland'
und in der .Oesterreichischcn Monatsschrift für christliche Socialreform, Gesellschaftswissenschaft'
u. s. w. (früher Wien, jetzt St. Pölten) erschienenen Aufsätzen niedergelegt.
Nach seinem Tode erschien: Wiard Klopp, Die socialen Lehren des Freiherrn
C. v. Vogelfang, Grundzüge einer christlichen Gesellschafts- und Volkswirtschaftslehre,
aus dem literarischen Nachlasse desselben zusammengestellt. St. Pölten 1894.
2 Sein Werk (ein Theil seiner umfangreichen .Apologie des Christenthums vom
Standpunkt der Sittenlehre') : .Sociale Frage und sociale Ordnung' (2. Auşi. Freiburg
1892) bringt eine eingehende Entwicklung dieser Anschauungsweise.
8 Das Recht der Arbeit. Wien 1888; Der Wucher im Geldwesen und Geldverkehr.
Wien 1892; Die socialpolitische Bedeutung des Clearing. Prag 1892.
4 Nationalität und Christenthum. Warnsdorf 1888; Der Lohnvertrag. Wien 1892;
Sociale Vortrüge. Wien 1895.
8 Die Aufgabe der Kirche und ihre innere Mission gegenüber den wirtschaftlichen
und gesellschaftlichen Kämpfen der Gegenwart. Berlin 1885.