Contents: Neueste Zeit (Abt. 3)

Kapitel II. Adam Smith. 
89 
preis natürlich entweder ganz oder doch möglichst genau dem natürlichen 
Preise gleichkommen. Die ganze vorhandene Quantität kann dann zu 
diesem Preise abgesetzt, — aber sie kann auch zu keinem höheren Preise 
abgesetzt werden. Die Konkurrenz der Verkäufer zwingt sie alle, diesen 
Preis anzunehmen, und zwingt sie zugleich doch nicht, auf einen geringeren 
einzugehen. Die Quantität des Feilgebotenen richtet sich natürlich von 
selbst nach der wirksamen Nachfrage 1 ).“ 
Und dieses bemerkenswerte Resultat wird allein durch den Einfluß 
des persönlichen Selbstinteresses erreicht. „Wenn die Quantität zu irgend 
einer Zeit die wirksame Nachfrage übersteigt, so müssen manche Bestand 
teile ihres Preises unter dem natürlichen Satze bezahlt werden. Betrifft 
dies die Rente, so wird sogleich ihr eigenes Interesse die Grundbesitzer 
veranlassen, einen Teil ihres Bodens anders zu verwenden; und betrifft 
es den Arbeitslohn oder den Profit, so wird das Interesse sowohl der Arbeiter 
als der Arbeitgeber sie dazu bringen, einen Teil ihrer Arbeit oder ihres 
Kapitals dieser Verwendungsart zu entziehen. Dann wird die auf den 
Markt gebrachte Quantität bald nur noch hinreichen, die wirksame Nach 
frage zu befriedigen. Alle Teile ihres Preises werden wieder auf ihren 
natürlichen Satz und der ganze Preis auf den natürlichen Preis hinauf 
gehen“ (wie vorh. Anm.). 
So paßt ein natürlicher und selbsttätiger Mechanismus die Güter 
erzeugung beständig der wirksamen Nachfrage an, wenigstens in der 
großen Mehrzahl der Fälle, denn die Umstände, wo diese Anpassung 
nicht eintritt (SMunleugnet nicht, daß es solche gebe), sind in seinen Augen 
seltene Ausnahmen. Wenn der Marktpreis lange Zeit hindurch über dem 
natürlichen Preis stehen soll, so müssen die Kapitalisten entweder im 
stande sein, ihre großen Gewinne zu verheimlichen, oder sie müssen ge 
wisse Fabrikationsgeheimnisse besitzen, oder es muß sich um ein natür 
liches Monopol, wie das einer berühmten Weinmarke, oder endlich um 
ein künstliches Monopol handeln 2 ). Das sind aber alles Ausnahmen, deren 
Seltenheit nur die allgemeine Grundregel der selbsttätigen Anpassung 
der angebotenen an die nachgefragte Menge dank den Schwankungen 
des Marktpreises um den natürlichen Preis bestätigt. 
Diese Anpassungstheorie ist, wie man weiß, eine der wichtigsten der 
ganzen Nationalökonomie. Seit Smith wiederholen sie alle National 
ökonomen fast ohne Änderung, und sie ist heute noch die Basis der Pro 
duktionstheorie. Die Anwendungen, die Smith davon macht, sind sehr 
interessant, denn sie dienen ihm dazu, seine Lieblingsthese nochmals zu 
*) Völkerreichtum I, S. 32, B. I, Kap. VII. 
~) Smith tut den Monopolpreis mit sieben oder acht Zeilen ab. Er begnügt sich 
sagen: „Der Monopolpreis ist jederzeit der höchste, der zu erreichen ist“ (I, S. 35, 
“• I» Kap. VII). Die Theorie des Monopolpreises ist heute eins der Hauptprobleme 
der Nationalökonomie.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.