Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

Die  Organisation  der  Gewerbetreibenden  in  Ämtern.

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Weniger  Amtsschragen  haben  sich  bis  jetzt  für  Reval  aus  dem
*4-  Jahrhundert  auffinden  lassen.  Man  kennt  die  Schrägen  der
Goldschmiede  von  1393,  der  Knochenhauer  von  1394,  der  Zimmerleute ­
  aus  dem  Ende  des  Jahrhunderts.  Ganz  gewiss  wird  man  aber
äuch  hier  an  das  Bestehen  anderer  Verbände  denken  dürfen.  Wenn
^le  Knochenhauer  zünftig  waren,  so  waren  die  Bäcker  es  sicherlich
ebenfalls  und  gab  es  ein  Amt  der  Goldschmiede,  so  konnte  eine
Verbindung  der  Metallarbeiter  überhaupt  nicht  gefehlt  haben.
Und  nicht  nur  die  selbständigen  Meister  schlossen  Verbindungen, ­
  fast  gleichzeitig  erscheinen  auch  Bruderschaften  der  Gesellen,
dem  Ende  des  vierzehnten  Jahrhunderts  stammt  die  Kompagnie
Schmiedeknechte  in  Reval*  und  von  1399  die  der  Schmiedegesellen ­
  in  Riga  \  beide  zu  Ehren  des  heiligen  Kreuzes  mit  Vorzugspreise ­
  kirchlichem  Charakter  errichtet.  Ebenfalls  gut  beglaubigt  ist  die
l^ruderschaft  der  Bäckerknechte  in  Riga,  deren  Schrägen  möglicher-)reise
  schon  in  der  ersten  Hälfte  der  vierzehnten  Jahrhunderts,
jedenfalls  vor  1373  aufgezeichnet  worden  ist®.  Ob  dagegen  die
_  hneider-  und  Schustergesellen  auch  bereits  in  dieser  Periode
^*ne  Bruderschaft  organisirt  hatten^,  bleibe  dahingestellt.  Jedenstanden
  diese  ältesten  (îesellenbruderschaften  Rigas  nicht
jP  Bewusstem  Gegensatz  zu  den  Meisterverbänden,  wie  das  in
deutschen  Städten  oft  der  Fall  war^  Sie  waren  nicht  gegründet,
hochmüthige  und  drückende  Behandlung  der  dienenden
^seilen  durch  die  privilegirten  Meister  zu  beseitigen  oder  die  sich
f*t\vickelnde  Bevorzugung  der  Angehörigen  zünftiger  hamilien  zu
‘^**imen,  nicht  um  einen  starken  Schutz  gegen  die  Willkür  Mächti-^^'■er
  sich  zu  schaffen,  sondern  lediglich  einem  religiösen  Bedürfentsprungen.
  Es  waren  Vereine  zur  Wahrung  des  Seelen-^'^ds
  _  gestichteit  is  tho  salicheit  erer  seelen,  unde  7imme  leßendracht
  des  ¿evendes  -  der  Genossen,  die  ihre  gestorbenen
'  ‘^Slieder  gemeinsam  zu  Grabe  trugen  und  für  sie  Seelenmessen
^Granstalteten,  die  Erkrankten  unterstützten  und  den  Lebenden  in
|;egelmässig  veranstalteten  Zusammenkünften  geselliger  Natur  gleich-^
  ihr  Recht  werden  Hessen.  W^enn  wir  diese  \  erbände,  die
Ül^^Jmjh^hnten  Jahrhundert  nachweisbar  waren,  nunmehr
g  zur  Kunde  Est-,  Liv-  und  Kurlands  1,  S.  374-¡J
  ■  Drk.  4,  Nr.  7405;  S.  unten  II.  Theil  Nr.  81.
Geschichte  d.  Kig.  Gewerbe,  S.  98-  loi.  S.  unten  II.  Theil  Nr.  2.

I  Dichter,  Inland,  S

der

^  hierzu  das  ausgezeichnete  Werk  von  Georg  Schanz,  Zur  Geschichte
^Ischen  (.esellenverbände.  Leipzig  1877.
            
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