Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

Der  Aufschwung  der  Handwerksämter  im  i6.  Jahrhundert.

Leben  gerufen,  sondern  zur  Ehre  Gottes  und  zum  Heile  der  Seele
gestiftet.  Ihre  Sorge  war  hauptsächlich  darauf  gerichtet,  die  See  e
ihrer  Mitglieder  nach  ihrem  Tode  zu  befreien.  Man  strebte  die
Seele  aus  dem  Fegefeuer  zu  erretten,  indem  man  Vigilien  und  Memorien
  veranstaltete.  Ferner  aber  trug  diese  Genossenschaft  ihre  ver
storbenen  Mitglieder  feierlich  zu  Grabe,  sorgte  insbesondere  für  eine
anständige  Beerdigung  aller  in  Armuth  und  ohne  Bekannte  in  Rig»
verstorbenen  Personen  und  unterstützte  verarmte  Genossen.
Gilde  leistete  also  dieselben  Dienste,  wie  heute  eine  Todtenlade  o  er
Hilfskasse.  Im  Übrigen  suchte  sie  ihre  Mitglieder  auch  ausserha
des  Kreises  derjenigen  Berufsgenossen,  die  der  Gilde  ursprunghc
ihren  Namen  verliehen.  Sie  zählte  Rathsherren,  Geistliche  un
Magister  zu  ihren  Angehörigen  und  verschloss  sich  wohl  Niemandem
grundsätzlich,  mit  Ausnahme  allerdings  der  Weber  und  Badstuber
Diese  durften  nicht  einmal  als  Gäste  auf  den  regelmässig  abge'
haltenen  Versammlungen  eingeführt,  geschweige  denn  aufgenominer
werden.  Nach  der  Reformation  änderte  sich  der  Charakter  ^
Gilde,  insofern  sie  nun  nicht  mehr  allen  Einwohnern  offen  stan  ’
sondern  auf  die  Diener  des  Raths  beschränkt  blieb.  Sie  wur  ^
zur  Kranken-  und  Sterbekasse  der  Rathsdiener  oder  Ministerial
und  hat  als  solche  bis  in  unsere  Tage  bestanden  b
Der  gleichen  Art  sind  wenigstens  zunächst  di«  Genossenschaft^
der  Bierträger,  der  Losträger  und  der  Ligger  gewesen.  Sie  nennet
sich  Gilden  oder  Kompagnieen  und  sind  geistliche  Bruderschaft^'^  r
mit  den  oben  geschilderten  Zwecken.  Die  (olde  der  Lostrager  ^
„in  de  ehre  des  hilligen  licham  nnses  heren  Jesu  Christi^‘,  die  Gi
ehr  L^n^^
hannes  Baptisten,  de  unses  heren  Godes  doper  was“  gestiftet,
ihren  Mitgliedern  gehören  Personen  männlichen  und  weiblic  ^
Geschlechts  b  Die  Gilden  der  Losträger  und  der  Ligger  schein^
nur  auf  eine  bestimmte  Klasse  von  Erwerbsthätigen  berechnet  g
wesen  zu  sein.  In  der  Gilde  der  Bierträger  findet  man  jedoch  a^^
Berufsarten,  Geistliche  und  Rathsherren  vereinigt.  Den  Hauptsto
aber  werden  sicher  die  Angehörigen  des  Berufs  gebildet  habe  '
nach  dem  die  Verbindung  benannt  ist.
^
1  Vergl.  Stieda,  „Ein  mittelalterliches  Beerdigungs-Comptoir  in  Riga“  in  «
Zeitung  für  Stadt  und  Land“  1878,  und  Mettig,.Die  Rechnungsbücher  der  K
diener  in  Sitzungsber.  d.  Ges.  f.  Gesch.  u.  Alterth.  d.  Ostseepr.  1890.  f,
2  Mettig,  Die  Bücher  der  Rigaschen  Bierträgergilde  in  Sitzungsber.  d.
Gesch.  u.  Alterth.  d.  Ostseepr.  1890.
            
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