Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

Der  Aufschwung  der  Handwerksämter  im  i6.  Jahrhundert.

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aufzubringen  wird  unter  Umständen  für  die  Gewerbetreibenden
aicht  leicht  gewesen  sein.
Verhängnissvoller  als  die  Höhe  dieser  Beträge,  über  deren
drückende  Wirkung  sich  ein  entschiedenes  Urtheil  nicht  gewinnen
lässt,  war  der  Umstand,  dass  die  Ämter  anfingen  sich  zu  geschlossenen ­
  auszubilden.  Man  setzte  die  Zahl  der  Meisterstellen  fest  und
Hess  keinen  Gesellen  zur  Prüfung  oder  Anfertigung  des  Meisterstückes ­
  zu,  ehe  durch  Tod  oder  Abgang  eine  Lücke  eingetreten
"^ar.  Diejenigen  Gewerbetreibenden,  die  in  Riga  zuerst  diesen
Schritt  thaten,  scheinen  die  Samtbäcker  gewesen  zu  sein.  In  dem
Schrägen  von  1487  wird  ihre  Zahl  auf  16  beschränkt.  Es  folgen
^1^  Goldschmiede,  indem  sie  1542  sich  auswirken,  dass  es  ihrer
ttur  12  Meister  sein  sollen,  und  die  Leineweber,  die  1544  30  Meister
^tilassen.  Über  diese  Zahl  weit  hinaus  greift  der  Schrägen
tier  Hanfschwinger,  für  welche  die  Obrigkeit  die  Zahl  der  Mit-SHeder
  iggj  auf  132  ansetzt.  Doch  haben  wir  es  hier  nicht  mit
filler  gewerblichen,  sondern,  wie  erwähnt,  commerziellen  Zwecken
dienenden  Korporation  zu  thun.  Es  liegt  auf  der  Hand,  wie  wenig
*tu  Interesse  der  Gesammtheit  eine  derartige  Beschränkung  der
‘^eisterstellen  war.  Sie  war  von  dem  vernünftigen  Wunsche  ein-Scgeben,

  eine  Überproduktion  nicht  aufkommen  und  jederzeit  das
^agebot  mit  dem  Begehr  in  Übereinstimmung  sein  zu  lassen.  Alle
Hglieder  der  Zunft  sollten  ein  genügendes,  wenn  möglich  reich-^hes
  Einkommen  haben,  um  den  Stand  als  einen  ansehnlichen  auf
tier  Höhe  zu  halten.  Aber  dahinter  lauerte,  begleitet  von  dem  Un-^erinögen,
  die  richtige  dem  Bedürfniss  entsprechende  Zahl  zu  finden,
Eigennutz,  der  sich  auf  Kosten  Anderer  zu  bereichern  suchte
^tl  alle  jüngeren  Mitbewerber  gerne  zurückschob.  Es  war  ein
^**8«cbliches  Beginnen  bei  einer  für  gewöhnlich  anwachsenden  Be-'j^lkerung
  die  Zahl  der  Meisterstellen  feststellen  zu  wollen,  die  für
'vechselnde,  in  der  Regel  sich  vermehrende  Nachfrage  aus-^^Hig
  zu  sorgen  vermochte.  Auf  der  anderen  Seite  wurde  die
^SHchkeit  des  Erwerbes  für  das  Individuum  in  einer  W^eise  bekränkt,
  die  seiner  Existenzberechtigung  geradezu  Hohn  sprach.
.  ^f^lnzelne  fähige  und  geschickte  Handwerker  wurde  längere  Zeit
^Iner  unselbständigen,  die  freie  Entfaltung  seiner  Kräfte  lähmenden
^  ^llung  festgehalten,  lediglich  weil  die  das  Vorrecht  besitzenden
'^nossen  dasselbe  nur  mit  Wenigen  zu  theilen  geneigt  waren.  Es
auf  der  Hand,  dass  die  Gesammtheit  unter  dieser  Einrichtung
die  gewerbliche  Entwickelung  gehemmt  wurde  und  weder  so
            
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