Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

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Der  Aufschwung  der  Handwerksämter  im  i6.  Jahrhundert.

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^ichtzünftigen  in  ihren  wohlerworbenen  Privilegien  beeinträchtigt
glaubten.  Dass  in  Riga  die  Goldschmiede  unbarmherzig  gegen
diejenigen  vorgingen,  die  unbefugt,  ohne  die  Meisterschaft  erworben
haben,  die  Goldschmiedekunst  betrieben,  ist  durch  anderweitige
Untersuchungen  festgestellt*.  Die  armen  Bönhasen  wurden  mit
Hilfe  des  Wachtmeisters,  der  seinen  Vortheil  dabei  fand,  aufgestobert,
  wiederholt  eingesperrt  und  gerichtliches  Urtheil  über  sie
äiisgewirkt.  In  Reval  entwickeln  1591  die  Schneider  einen  vollständigen ­
  Feldzugsplan  gegen  ihre  nichtzünftigen  Genossen  und
Erbitten  seine  Genehmigung  vom  Rathe.  Mit  Hilfe  städtischer
^olizeibeamten  sollten  die  Winkelschneider  eingefangen,  ihre  Werk-^^uge,
  wie  Scheere,  Wachs,  Zwirn  weggenommen,  sie  selbst  in  die
Wohnung  des  Ältermanns  geführt  und  gerichtlich  abgeurtheilt
Werden  l

Mit  diesem  sich  in  der  hässlichen  Bönhasenjagd  kundthuenden
ygoismus  hängt  auch  der  Versuch  zusammen,  den  Arbeitskreis  eines
J^’ien  Amts  genau  begrenzen  und  jeden  Wettbewerb  verwandter
^mter,  der  die  Einnahmen  der  Einzelnen  schmälern  musste,  aus-^^hliessen
  zu  wollen.  Zunächst  ging  man  seitens  des  Raths  gegen
Handwerker  selbst  vor,  indem  man,  um  den  Brauern  ihren
rvverb  zu  sichern,  den  ersteren  das  Brauen  untersagte.  Aber  als
*427  dieses  Verbot  erging,  stiess  seine  Ausführung  auf  so  heftigen
•Verstand,  dass  es  zu  Michaelis  1428  wieder  aufgehoben  werden
'Müsste».  Doch  setzte  der  Rath  seinen  Willen  später  durch,  und  in
Polizeiordnung  von  1502—3  ist  die  strenge  Scheidung  des
^(ciebes  der  Brauerei,  sowie  des  Handels  von  dem  der  Hand-'''erke
  festgestellt  ^auf  dass  Einer  sich  vor  dem  A7idern  bergen
^ge^'^.  War  hierbei  mehr  die  Trennung  des  Kaufmanns-  und  des
^*idWerkerstandes  beabsichtigt,  denn  die  Brauer  als  „Grossindu-^trielleu
  ^u  dem  ersteren,  so  wandten  die  Gewerbetreibenden
später  gegen  einander  und  bemühten  sich  ihr  Arbeitsgebiet
Übergriffen  Anderer  zu  sichern.  So  stellen  die  Samtbäcker
die  Brodsorten  fest,  die  sie  gegenüber  den  „gemencn  beckern^^
*^echt  haben  anzufertigen;  so  wird  von  Raths  wegen  den  Gürtell^^^bern
  und  russischen  Krämern  1569,  den  Liggern  und  den  Los-^gern
  in  demselben  Jahre,  den  Scheidemachern  und  Gürtlern  1377,
ihrer  Thätigkeit  bestimmt.  Die  Schmiede  aber  nehmen
g  ^iieda,  Bait.  Monatsschr.  35,  S.  143.
g  z.  Kunde  R.  L.  K.  4,  S.  117-K.
  C.  Urk.  7,  Nr.  066.
            
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