Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

Der  Aufschwung  der  Handwerksämter  im  i6.  Jahrhundert.  i  ^  i

^ilde  in  Reval  aus  einer  ursprüng^lich  geistlichen  Genossenschaft,
die  Handwerker  ohne  Unterschied  des  Berufs  zu  ihren  Mitgliedern
wählte,  hervorging.
Sehr  lebhafte  Scenen  spielten  sich  im  letzten  Drittel  des  sechs-^^hnten
  Jahrhunderts  in  Dorpat  ab.  Hier  brachen  im  Jahre  1582
Streitigkeiten  zwischen  dem  Rath  und  der  Bürgerschaft  deshalb
weil  die  letztere  die  Kosten  zu  einer  Gesandtschaft  an  den
^dnig  nur  unter  der  Bedingung  hergeben  wollte,  dass  ausser  den
^^iden  Rathsgliedern  auch  ein  Abgeordneter  der  Bürgerschaft  mit-S^he,
  über  die  Stadtausgaben  Rechnung  abgelegt  werde  und  Dele-S'rte
  der  (olden  an  der  Krhebung  der  Stadteinkünfte  I  heil  nähmen.
Rath  bewilligte  dieses  Verlangen  in  der  I  hat  nach  kurzem
^Widerstände,  und  auch  später  auftauchende  Meinungsverschiedenheiten ­
  gelang  es  bald  wieder  beizulegen.  König  Sigismund  Ill
^^hrn  im  Jahre  1590  der  dörptschen  Bürgerschaft  alle  politische
^  Tätigkeit  und  übertrug  sie  auf  einen  sogen.  20^*’  Ausschuss,  der
Rathe  zu  ernennen  war.  Bei  dieser  Anordnung  beruhigte  sich
^her  die  Bürgerschaft  keineswegs,  und  nach  der  Eroberung  Dorpats
durch  die  Schweden  scheint  die  alte  Verfassung  wieder  hergestellt
"Orden  zu  sein.  Wenigstens  ist  von  dem  20^^  Ausschüsse  nicht
^ehr  die  Rede’.
Auch  in  Dorpat  gliederte  sich  die  Einwohnerschaft  in  eine
R^osse  und  eine  kleine  Gilde;  jene  erhielt  im  14-  Jahrhundert  ihre
ragen  \  diese  wird  vermuthlich  um  dieselbe  Zeit  entstanden  sein.

'"^Gss  fehlen  uns  über  sie  alle  Nachrichten,  ln  den  Kriegsunruhen
sechszehnten  Jahrhunderts  gingen  die  Schrägen  verloren,  und
Vom  2.  März  1647  datirt  die  neue  Ordnung  der  grossen  Gilde,
übrigens  wie  das  vorhergehende  Statut  in  Anlehnung  an  den
^^’^hragen  der  grossen  (olde  in  Riga,  von  welchem  man  „mit
^^ossen  Unkosten  eine  Co/>ey“  hatte  anfertigen  lassen,  verfasst
''■Orden  war.  Der  Schrägen  der  kleinen  (olde,  die  auch  Antonien-Sdde
  genannt  wurde,  stammt  vom  3.  April  1647,  ohne  dass  die
Orl.igrg  der  er  sich  richtet,  erkenntlich  gemacht  ist  .

Zur  Geschichte  Dorpats  in  „Neuer  Dorpater  Kalender  1H66  u.  1867
V  *  Anton  Buchholtz  verdanke  ich  die  Mitlheilung,  dass  sich  im  Hildebrandschen
®^hlasse  eine  Abschrift  der  Schrägen  der  grossen  Gilde  in  Dorpat  v.  |.  1327  oder
2  ^  ^‘Phnde.  Die  Vorlage,  eine  fehlerhafte  Kopie  des  16.  Jahrhunderts,  entdeckte
^^*rand  im  Keichsarchiv  zu  Stockholm.  Livonica  Conv.  34^-Abschriften
  beider  Schrägen  in  m.  Besitz.
            
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