Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

Der  Verfall  der  Ämter  im  17.  Jahrh.  u.  die  Reformbestrebungen.
Hofesfeldern*.  Treffend  hat  Viktor  Hehn  die  Zerstörung,  die
dem  Jahre  1558  über  Livland  hereingebrochen,  mit  den  Verwüstungen ­
  verglichen,  deren  Schauplatz  Vorderasien  zur  Zeit  der
^ongolenzüge  gewesen,  wo  eine  uralte  Kultur  bis  auf  die  letzte
^pur  ausgerottet  worden,  um  nie  wieder  zu  erstehen.  Nach  dem
^^(^richt  eines  Chronisten  war  um  das  Jahr  1582  zwischen  Pernau
Dorpat  keine  einzige  menschliche  Wohnung  übriggeblieben!
•'^uf  dem  Lande  herrschte  allgemeine  Hettelhaftigkeit.  Güter,  die
Sich  in  einem  verhältnissmässig  erträglichen  Zustande  befanden.
Wurden  wegen  Mangel  an  Arbeitskräften  und  Betriebskapital  für
pottpreise  verpachtet:  Kawwast  (heute  etwa  200,000  Thlr.  wertli)
Wurde  für  7  Gulden,  Pastorat  Karolen  für  5  Gulden  verpachtet.  Der
uuerliche  Pächter  war  ebenso  wie  der  Knecht,  der  im  direkten
ofdienst  des  adligen  Grundherrn  stand,  zum  willenlosen  Sklaven
crabgesunken,  derer  gar  nicht  zu  gedenken,  die  als  Bauernknechte,
Badstüber  und  Lostreiber,  ein  elendes  Dasein  fristeten.  Der  Edel-^unn
  War  unumschränkter  Gebieter  über  des  Bauern  Person  und
*Scnthum  und  zugleich  der  alleinige  Richter  seiner  Unterthanen  *.
Hatten  die  polnischen  Könige  wenig  Neigung  und  Geschick
gezeigt  des  Landes  Wohlfahrt  zu  fördern,  so  war  es  erklärlich,
l^ss  die  1621  vollzogene  Staatsveränderung  von  den  Livländern
^  ^  ^*'lösung  aus  schweren  Banden  aufgefasst  wurde.  Die  Gleichheit
Religion  und  der  geordnete  Zustand  Schwedens  verhiessen  der
•leuen  Provinz  eine  glückliche  Zukunft.  In  der  That  offenbarte
^las  schwedische  Regiment  bei  der  Ausgestaltung  des  Gerichts-'l'^sens,
  der  Neuordnung  des  Kirchenwesens,  der  Katastrirung  des
^'hen  Landes  und  der  Errichtung  höherer  Schul-  und  Bildungsj
  Waren  im  Jahre  1601  die  Anträge  Karls  IX.  auf  Preisung ­
  der  livländischen  Bauern  und  auf  ihre  Zulassung  zu  Schulen
bürgerlichen  Handwerken  von  den  Deputirten  der  livländischen
^  ^Grschaft  abgelehnt  worden,  so  ging  nun  die  schwedische  Regied
  einer  Sicherheit  und  Energie  vor,  die  keinen  W  iderspruch
P  nnd  für  das  Land  sehr  wohlthätig  wirkte.  Mit  Recht  betont
j.  dass  die  Arbeit  der  schwedischen  Regierung  Liv-  und  Estvor
  dem  Geschicke  des  Versinkens  in  vollständige  Barbarei
hat.  Allmälig  besserten  sich  auch  die  Zustände.  Die  1630
8  Löwis,  über  die  ehemalige  Verbreitung  der  Eichen  in  Liv-  und  Ehstland,
Vergl.  auch  die  Rückblicke  auf  die  wirthschaftl.  Entwickelung  d.
^Prov.  im  Rig-açj.  Tageblatt  1891,  Nr.  80,  81,  82.
^•ckardt,  Livland  im  18.  Jahrhundert,  S.  77,  7*1
            
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