Full text: Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh u. die Reformbestrebungen. 
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42 Bönhasen da, die in ihre Thätigkeit eingriffen. Der Rath seiner 
seits blieb gegenüber solchen Klagen nicht müssig. Schon am 
19. April 1620 hatte eine Verordnung die Veranstaltung von 
Meisteressen und sonstigen Mahlzeiten zu beschränken gesucht- 
Die Amtsherren waren angewiesen worden die Einkaufsgelder un 
anderen Summen zum Ankäufe von Getreide für die Zeit der Noth 
zu brauchen. Indess, obwohl die Verordnung am 14. Februar 1623 
wiederholt worden war, hatte man mit ihr nicht mehr erreicht, als 
dass Frauen und Kinder von diesen Festlichkeiten ferngehalten 
wurden. Die von den jungen Meistern beim Amtsantritte gefor 
derten Gebühren waren und blieben erhebliche. Nun trug man 
sich, noch ehe der deutsche Reichstag sich zu seinem (Gutachten 
aufgerafft hatte, noch ehe Brandenburg und Hessen mit ihren um 
fangreichen Neuordnungen hervorgekommen waren, in Riga m't 
weitgehenden Plänen zur allgemeinen Änderung der Zunftverfassung- 
Ein allerdings undatirtes Aktenstück im Rathsarchiv, betitelt 
formation in den Rigischen Handwerkszünften“ giebt über das 
Vorhaben Auskunft. Dasselbe besteht aus einem umfangreichen 
Memoire über die Verfassung des Handwerks und deren Mänge ’ 
zwei Entwürfen von Rathsverordnungen und zwei Protoko 
Abschriften, welche letzteren die Datirung des Planes ermöglichen- 
Der Rath hatte nämlich zur Feststellung der Missbräuche eine Ad 
Encónete angeordnet. Er liess am 24. Oktober und 16. November 
1661 verschiedene Handwerker auf das Rathhaus fordern, wo die 
Amtsherren Melchior Dreiling und Peter von Schivelbein sie ver 
hörten und ihre Aussagen aufschreiben liessen. Die Schneide^ 
Böttcher, Barbiere, Riemer, Tischler, Maler und Fuhrleute sin^ 
diejenigen, von deren Vertretern die Zeugnisse aufbewahrt sm^' 
Ob mehr Handwerker als die genannten vernommen wurden, blc'b^ 
dahingestellt. Wir wissen so wenig über diese Emiuele als ub^^ 
den Urheber des Gutachtens. Das vielfach durchstrichene, ^0' 
einer Hand geschriebene Manuskrijit ruft den Eindruck eines 
Wurfes hervor, der möglicherweise zu einer Berathung gar nR ’ 
gekommen ist. Es liegt nahe als Urheber einen der Männer 
sehen, die als Amtsherren vielfach (Gelegenheit hatten in das Cictri^^^^ 
der Handwerkerwelt Einblick zu nehmen, und es scheint mit 
ausgeschlossen an Melchior von Dreiling selbst zu denken, der ‘ 
Vertrauen der schwedischen Regierung genoss und mehrfach 
städtischen Angelegenheiten in Stockholm gewesen w,ir. \ icH * 
ging die Anregung zur Reform gerade von schwedischer Seite ’
	        
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