Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

Die  gewerblichen  Zustände  im  i8.  Jahrhundert.  209
sichtlich  hob.  Nur  in  einzelnen  Fällen  hören  wir,  dass  das
Monopol  wirklich  einigen  Reichthum  hervorbrachte.  Ein  Kupferschmied, ­
  der  im  Jahre  1740  das  Recht  zum  ausschliesslichen  Betriebe
seines  Gewerbes  erhielt,  gegen  das  Versprechen  Niemanden  mit
dem  Preise  seiner  Erzeugnisse  zu  übervortheilen,  hinterliess  bei
Seinem  Tode  ein  Vermögen  von  20,000  Rbln.  Das  war  dann  auch
so  überraschend,  dass  das  Reichsjustizkolleg  seinen  Erben,  denen
^'■sprünglich  Fortsetzung  des  Geschäfts  hatte  zugestanden  werden
Sollen,  das  Privileg  nicht  allein  verlieh,  sondern  dieselbe  Berech-^*SUng
  einem  gewissen  Christoph  Wegener  zugestand  h
^ie  mangelhaft  somit  die  Verhältnisse  des  Handwerks  das
S^nze  vorige  Jahrhundert  hindurch  sich  zeigten,  so  darf  man  die
Seiten  der  Zünfte  doch  auch  nicht  verkennen.  Auf  eine
Sowisse  Zucht  und  Ordnung  arbeiteten  sie  sicherlich  hin,  und  wenn
nicht  gerade  als  Träger  des  Fortschritts  in  technischer  Beziehung
^*^Sesehen  werden  konnten,  so  mochten  sie  immerhin  als  Bewah-’■^'■innen
  der  überkommenen  Geschicklichkeiten  und  Fertigkeiten
Dies  zusammen  mit  ihrer  ruhmvollen  Vergangenheit  mochte
Herrscher  wie  Peter  den  Grossen  auf  den  Gedanken  bringen
^ose  gewerblichen  Korporationen  auch  in  Russland  einbürgern  zu
Sollen.  Hatte  er  sie  in  Riga  und  Reval  studirt,  hatte  er  sie  auf
^•Oen  ausländischen  Reisen  kennen  lernen  —  genug,  die  Verfassung
^hien  ihm  trotz  der  Mängel,  die  gerade  im  i/-  Jahrhundert  und
^  Seiner  Zeit  hervorgetreten  waren,  so  bemerkenswerth,  dass  er
^"chloss  sie  in  sein  Reich  zu  verpflanzen.  Der  Glaube  an  die
J^^hlthätige  Wirkung  der  Zünfte  war  damals  noch  ein  weit  ver-"""'teter.
  Die  vielen  Missbräuche,  die  Reichsabschiede,  Reichs-^'^tachten
  und  Reichspolizeiordnungen  seit  dem  zweiten  Viertel
,  Sechszehnten  Jahrhunderts  in  Deutschland  zu  beseitigen  sich
^’^ühten,  waren  dem  russischen  Zaaren  offenbar  nicht  bekannt  ge-Orden,
  oder  wenn  er  von  ihnen  gehört  hatte,  so  hielt  er  sie  für
^Vollkommenheiten,  wie  sie  jeder  menschlichen  Einrichtung  an-^l^ten
  und  deren  er  Herr  werden  zu  können  hoffte.  Auch  zeitf^'össische
  russische  Schriftsteller,  wie  z.  B.  Krishanitsch  und
^"soschkow,  hatten  sich  dahin  vernehmen  lassen,  dass  es  wünschenssei
  zur  Hebung  der  Industrie  die  westeuropäische  Zunft-¡"'■^^ssung
  in  Russland  einzuführen.  Namentlich  der  letztere  weist
.^^^^^l^Schrift  über  Armuth  und  Reichthum  darauf  hin,  dass  die
Neuer  Dorpater  Kalender  1866  u.  67.

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