Full text: Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

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Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
Ursprünglich werden diese Huden auch die Werkstätten gewesen 
sein, wie denn z. H. in Lübeck für die Goldschmiede die Vorschrift 
galt, dass nur in den Buden gearbeitet werden durfte. Nur in 
dieser Bude durfte der Goldschmied seine Esse haben oder andere 
Vorrichtungen zum Schmelzen, Brennen oder Scheiden. Versuchte 
jemand sich in seinem Hause oder Hofe eine Werkstätte einzurichten, 
so ist ihm „solche Werckstäie sofort durch obrigkeitliche Veran- 
staltimg von deuten Bedienteti des Bauhofes abgebrochen worde7i'‘ h 
So mag auch in Riga, wenn wir die Beiter wiederholt Localitäten am 
Markte miethen oder 1350 einen Schwertfeger die Eckbude beim 
Rathhause auf 2 Jahre pachten sehen \ daran gedacht werden, dass 
sie gleichzeitig hier ihre gewerbliche Thätigkeit ausübten. Möglicher 
weise galt dies auch für die Goldschmiedebuden,® während die 
Russischen Kramboden^, die 1497 neu erbaut wurden, d. h. Buden, 
in denen Waaren russischer Herkunft feilgeboten wurden, und 
Wandtboden®, d. h. Verkaufsstellen zum Ausschnitt von Tüchern, 
sich als Verkaufsstätten unzweifelhaft erkennen lassen. 
Vielleicht war auch das Hopfenhaus (hoppe^ihus), das in 
einer Kämmereirechnung von 1405—6 genannt ist® und vermuthlich 
das Gebäude war, in dem aller Hopfen aufgespeichert werden 
musste und von dem aus er verkauft wurde, auf dem Markte. 
In der von dem Marktplatz, wo heute das Rathhaus steht, zur 
Düna führenden Schalpfortenstrasse, der heutigen Schalstrasse, waren 
mindestens seit 1495, vermuthlich schon seit längerer Zeit, die Brod- 
scharren oder Brodbänke. Wie in dem Bäckerschragen von 
1392 erwähnt \ waren sie ursprünglich für den Verkauf von Brod 
und Backwaaren überhaupt bestimmt, scheinen aber später für 
Weiss- und Grobbrod getrennt worden zu sein. Wenigstens werden 
1549 ein Kiepenbecker Schrangen, d. h. ein Schrangen zum Ver 
kaufe von Roggen- oder Grobbrot, und ein Weggeschrangen, 
d. h. eine Verkaufsstätte für Wecken, Weissbrod oder Weizenbrod, 
unterschieden. In welcher Entfernung von einander sich beide 
befanden, lässt sich nicht feststellen. 
1 Th. Hach, Zur Geschichte der Lühecki.schen Goldschmiedekunst, S. 6, 12. 
2 Mettig, Zur Gesch. d. Rig. Gewerbe, S. 17, 70. 
® Stieda, Aus dem Leben des Rigaer Goldschmiedeamts. Halt. Monatsschr. 35, 
S. 131. Art. 12. d. Sera von 1360. 
•1 Napiersky, Lib. red. III, 6i. 
® Napiersky, Erbeb. II, 1424. 
® L.-E.-C, Urk. 4, Nr. 1954, S. 870. 
Art. II, 17, 19.
	        
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