i8
Alt-Rigas gewerbliches Leben.
1557 einen städtischen Garten an der Neupforte gegen einen Jahres
zins von 2 Mark. Offenbar war die Pachtsumme so niedrig angesetzt,
nicht nur in Anerkennung der guten Dienste, die er der Einwohner
schaft erwiesen hatte, sondern auch im Hinblick auf den Nutzen, den
der Garten für die Apotheke versprach (also dal he dcnsulvigen hy
dem ampt der apoteken gebruckeii mach) Seinem muthmaass-
lichen Nachfolger in der Apotheke, seinem Sohne Sylvester, wurde
die Pachtung desselben Gartens gleichfalls in Aussicht gestellt.
In Hamburg soll die Rathsapotheke schon 1264 bestanden
haben, trat wahrscheinlich aber erst 1314 in’s Leben. Sie unter
stand der Beaufsichtigung zweier Rathmannen, die als ^^krudeheren'''^
(domini specierum) bezeichnet werden. Dieselben statteten seit
1376 regelmässig Bericht über ihre Befunde ab In Rostock kommt
ein Apotheker seit 1262 vor^, doch ist es fraglich, ob darunter
ein Apotheker in heutigem Sinne verstanden werden kann. Da
gegen wird in Wismar eine „alte Apotheke“ (apotheca antiqua)
1336 angeführtund in Lübeck stammt die Apotheke ebenfalls aus
dem vierzehnten Jahrhundert®, wurde zur Stadtapotheke aber erst
1412. In Reval errichteten mehrere Mitglieder des Rathes im
Jahre 1422 auf ihre Kosten eine Apotheke, die indess schon nach
wenigen Jahren in den Besitz des Raths übergingt.
Vollzog sich in den genannten Gebäuden ein Th eil der gewerb
lichen Thätigkeit, die sich überhaupt in Alt-Riga regte, so gab es
neben ihnen andere Stätten, an denen das gewerbliche Leben nicht
minder lebhaft pulsirte — diejenigen nämlich, an denen der \ er
kauf der hergestellten Erzeugnisse vor sich ging. Die mittelalter
liche Gewerbepolizei suchte dem verzehrenden Publikum den Ein
kauf der ihm nothwendigen Gegenstände thunlichst zu erleichtern
und hatte zu diesem Zwecke den Gewerbetreibenden mit ge
wissen Ausnahmen angesagt ihre Producte ausschliesslich an be
stimmten Orten in der Stadt feilzubieten. Auf diese Weise war
Jedermann Gelegenheit gegeben, indem er die sämmtliche vorhan-
* Napiersky, Lib. red. III, 288.
^ Koppmann, a. a. O. i, S. LXIII.
3 Mecklenburg. Urkb. 2, Nr. 954.
* Mecklenburg. Urkb. 8, Nr. 5637.
5 A. Sartori, Lübecks Apothekerwesen von 1284—1854. Neue Lübeckische
Blätter 1855, S. 221, 234. Apotheken sind 1412 und 1433 nachgewiesen im Lü-
beckischen Urkb. 5, Nr. 435, 7, Nr. 547.
G J. W. Dchio, Mittheil, über die Medicinal Verhältnisse Alt-Revals in Beiträge 4,