Alt-KJgas gewerbliches Leben.
21
Wie mir scheint, hat man sich unter dem Schrangen eine
zusammenhängende Doppelreihe von Verkaufsständen vorzustellen,
von denen die eine nach dem Markte, die andere nach der Düna
zu offen war, wobei ich allerdings nicht die heutige Enge der
Schalstrasse im Auge habe. Wenigstens lassen die in einer In
scription von 1348^ enthaltenen Worte ,,Dominus Marschalc con-
duxit terciani partein domus super brotscharneii, que est juxta
feile strain viciniorein Dune“ darauf schliessen, dass in dem
Schrangen Fensteröffnung^ nach verschiedenen Seiten vorhanden
waren. Doch ist es auch möglich, dass die Schrangen im Viereck
standen, so dass in der Mitte ein freier Raum blieb. Auf diese Ver-
muthung führt der Umstand, dass gelegentlich die Mitte der Hrot-
scharren (medium van den brotschernen)'^ auf 10 Jahr gegen ein
Loth Silber jährlich verpachtet wurde. Vermuthlich war das ganze
Gebäude, um Verkäufer und Waare vor der Unbill der Witterung zu
schützen, überdacht und die Aussenseite nicht völlig offen, sondern
mit aufzuklappenden Läden oder Schiebefenstern versehen. Die ein
zelnen Verkaufsstände scheinen keine besondere Benennung geführt
zu haben. Denn der Ausdruck ,,bodain in macellis pistorum“^ ist
wohl nur als nähere Bezeichnung einer bei den Brodbänken befind
lichen Bude anzusehen, so wie die ,',m acie brotscharnen”^ genannte
Hude eine an der Spitze derselben befindliche Bude zu sein scheint.
Nur als eine Ortsbezeichnung kann doch auch der ,,stabulum in
macellis pistorum“^ aufgefasst werden.
Die von den Bäckern zu zahlende Abgabe, 1349 auf 32 Ore
jährlich pro Kopf, später auf 48 Ore angesetzt, sehe ich als Ver
gütung für Benutzung des Schrangens an. Sie musste in halb
jährlichen Terminen von jedem Meister entrichtet werden. Interessant
dass im Schrangen nicht der Meister hantierte, sondern in der
Hegel der Gehilfe zur Bedienung des Publikums bestimmt war.
Nur ausnahmsweise durfte der Meister die Rolle des Verkäufers
übernehmen, falls nämlich der Brodvorrath auszugehen drohte und
Geselle zur Ergänzung desselben nach Hause geschickt werden
musstet Damit die Gesellen nicht auf den Gedanken kämen die
Napiersky, Lib. red. II, 260.
** Napiersky, Lib. red. II, 262.
^ Napiersky, Lib. red. II, 668.
^ Napiersky, Lib. red. II, 138.
^ Napiersky, Lib. red. II, 674.
® Schra von 1392, Art. 11.