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Zweites Buch, Cap. 5.
aber auch ältere Zeugnisse, nämlich vor Allem den Bericht
von 18167), der unter dem leitenden Einfluss des älteren Sir
Robert Peel erstattet wurde, jenes hochverdienten Fabrikanten,
der in Verbindung mit Robert Owen zuerst mit Energie auf
gesetzlichen Schutz gegen Missbrauch der Kinder drängte. —
Dieser Bericht giebt ein sehr deutliches Bild von der
Lage der Kinder — und von der Gesinnung der Fabrikanten,
welche weniger aus Bosheit und angeborener Hartherzigkeit
gleichgültig gegen das Kinderelend waren als deshalb, weil
abstumpfende Gewohnheit und naiver Egoismus sie dafür blind
machte.
So sehr das ganze Unwesen zu tadeln und zu beklagen
ist, so darf man sich überhaupt die Sache nicht so vorstellen,
als ob die Fabrikanten dabei eine besondere persönliche Schuld
träfe. Die Fabrikanten waren Menschen, die dachten und
handelten, wie jeder Durchschnittsmensch in derselben Lage
gedacht und gehandelt haben würde — es war nicht die Auf-
gabe, die Fabrikanten anzuklagen und strafen, sondern all-
gemeine Verhältnisse zu schaffen, die den Unfug unmöglich
machten.
Bei der Enquete von 1816 wurden zunächst viele Fabri-
kanten vernommen, welche gegen alle Schattenseiten der
Fabrik- und Kinderarbeit blind waren.
Ein Fabrikdireetor sagt, er nehme Kinder unter 10 Jahren
nur aus Rücksicht auf die Eltern, die Arbeiter liebten die
Hitze in den Fabriken und die Kinderarbeit sei leicht ®) und die
erwachsenen Knaben gingen in andere Gewerbe über, wo sie
sehr begehrt seien! (man vergl. damit‘ Aikin’s Meinung) ®).
Seit 30 Jahren stehe es so in den schottischen Spinnereien
and keine Aenderung der Zustände sei erwünscht.
Andere Fahrikanten erklären die Fabrikräume für ge-
1) Report on the Minutes of evidence taken before the select com-
mittee in the state of the Children employed in the Manufactures of the
United kingdom. 25. April, 18. Juni 1816,
2a a. 0. 5. 5
3) S. auch die entgegengesetzte Meinung eines Magistrats a. a. O0,
x 1923