Full text: Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

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Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
Stehenden „Gastmester^', bezw. dem Hause selbst, ist wiederholt 
die Rede. Wenn wir im Jahre 1413 einen frommen Bürger dem | 
Gasthause eine Jahresrente von zwei Mark vermachen sehen „ad 
usum peregrinoruni qui ad hospitaudiun in hospitali retro sa7tctuin 
spirituni colliguntur“ so kann man sich denken, dass dieses Legat 
kein vereinzelter Fall geblieben sein wird. Auf diese Wurzel weist 
in Riga die 1435 errichtete Herberge für obdachlose Reisende 
„welche Jiusz sali numeer genöniet iverdcn der elendeti gasthusz“, 
gleichzeitig ein Krankenhaus^. Aus Barmherzigkeit „also dat se 
uni nottroftiger armen personen willen, der in deszen suivent tiden 
vele in groter kranckheit und swarem hummer und armode binne^i 
Rige iveren, de sich sulven Glicht helpen honden, up dat den barm- 
hertichlihen to hulpe gehonien worde”, rief der Rath die Anstalt j 
ins Leben, und bestimmte in der für ihre Verwaltung erlassenen 
Ordnung, dass man ,,in dit husz sali entfangen arme seche elende 
personen, de des not hebben”, und ,,och herbergen arme elende 
gesunde personen de nacht, alze de erst binnen de stad homen 
und anders nene herberge en hebben“. Dieses Gasthaus befand 
sich am Johanniskirchhof in einem von dem Rathsherrn Curd Visch 
erbauten Hause. Es gewährte den sich meldenden gesunden Per 
sonen in der Regel aber nur für eine Nacht Unterkunft, kann also 
etwa mit dem modernen Nachtasyl auf eine Stufe gestellt werden. 
Für bemittelte Reisende musste selbstverständlich in anderer 
Weise gesorgt werden. Anreisende Handwerksgesellen fanden, 
wenn sie nicht gleich in des Meisters Hause einkehrten, in den 
Zunftherbergen eine Unterkunft. Kaufleute konnten zunächst auf 
ein Nachtlager bei Geschäftsfreunden rechnen, waren sie indess 
in der Stadt fremd, so werden sie sich an diejenigen Einwohner 
gewandt haben, die ihre Sprache verstanden, mit den kaufmännischen 
Verhältnissen bekannt waren und von denen sie Hilfe bei Ab 
wickelung ihrer Geschäfte erwarten konnten. Solche Personen j 
waren theils die Dolmetscher, theils die Makler, jene Kaufleute, | 
die wir für die Vermittelung des Verkehrs zwischen Einheimischen 
und Fremden ausdrücklich privilegirt finden. So erscheint in Brügge 
das Maklergewerbe seit Anfang des vierzehnten Jahrhunderts in 
holge des gerade damals enorm anwachsenden Fremdenzuflusses 
mit dem Gewerbe der Fremdenherbergung eng verknüpft. Zahl 
reiche Bürger, als „hosteliers“ oder „ostelliers“ nach ihrem Hause 
1 Lübeckisches Urkb. 5, Nr. 255, 456; 7, Nr. 710; S, 511. 
2 Livl. Urkb. 8, Nr. 1029.
	        
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