Object: Die politische Ökonomie des Rentners

Der Wert der Produktivgüter. Die Produktionskosten 13 
So ist die nicht konstruierte, sondern die wirkliche Psycho- 
logie der Agenten der Warenproduktion. Der Wert der Produk- 
tionsmittel wird also in Wirklichkeit mehr oder weniger selb- 
ständig bestimmt, und die Veränderung des Wertes der Produk- 
tionsmittel erfolgt der Zeit nach früher als die Veränderung des 
Wertes der Konsumtionsgüter. Folglich muß die Analyse so 
durchgeführt werden, daß eben die Wertveränderungen in der 
Sphäre der Produktion der Produktionsmittel den Ausgangspunkt 
bilden. 
Hier muß noch auf einen sehr wichtigen logischen Fehler 
hingewiesen werden. Oben sahen wir, daß der Wert der Pro- 
duktionsmittel nach Böhm-Bawerk durch den Wert des Produkts 
bestimmt wird; „in letzter Instanz‘ bildet der Grenznutzen des 
Grenzprodukts das ausschlaggebende Moment. Wodurch wird 
aber die Höhe dieses Grenznutzens bestimmt? Wir wissen be- 
reits, daß die Höhe des Grenznutzens in umgekehrtem Verhält- 
nis zur Menge des zu schätzenden Produkts steht; je mehr Ein- 
heiten einer gewissen Gütergattung es gibt, desto mehr sinkt die 
Schätzung für jede Einheit des „Vorrats‘“ und umgekehrt. Es 
entsteht naturgemäß die Frage, wodurch diese Menge ihrerseits 
bestimmt wird. Darauf erwidert nun unser Professor: „...die 
Masse der in einem Marktgebiet verfügbaren Waren selbst (wird) 
wieder bestimmt... in besonders weitem Umfange durch die 
Höhe der Produktionskosten. Je höher nämlich die 
Produktionskosten einer Ware sich belaufen, desto niedriger 
bleibt verhältnismäßig die Zahl der dem Bedarf von der Produk- 
tion entgegengestellten Exemplare‘®.“ Und so haben wir folgende 
Erklärung“ 1 Der Wert der Produktivgüter (Produktionskosten) 
wird durch den Wert des Produkts bestimmt; der Wert des Pro- 
dukts hängt von dessen Menge ab; die Menge des Produkts wird 
durch die Produktionskosten bestimmt oder, mit anderen Worten, 
die Produktionskosten werden durch die Produktionskosten be- 
stimmt; und so kommen wir wiederum auf eine der Schein- 
erklärungen, an denen die Theorie der Österreichischen Schule 
So reich ist. Böhm-Bawerk geriet selbst in diesen eirculus vitiosus, 
in dem, wie er durchaus richtig bemerkt, sich die alte Theorie 
der Produktionskosten bis heute noch bewegt”, 
Zum Schluß noch einige Worte über die allgemeine Formel 
Böhms über den Wert der Produktionsmittel. Wie wir gesehen 
haben, richtet sich „der Wert der Produktivmitteleinheit ... 
© Böhm-Bawerk: „Grundzüge usw.‘, S. 521. 
“ Vgl. Schaposchnikow: „Die Wert- und Verteilungstheorie‘, S. 37 u. 38. 
dort auch den Hinweis auf Stolzmann und Manuilow.
	        
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