Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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I.  Buch.  Production  und  Consumtion.

Heutzutage  wird  in  Europa  wie  in  Amerika  über  technische  Bildung  viel
hin  und  her  gestritten.  Es  handelt  sich  dabei  theilweise  um  Irrthümer  über
Geschwisterliebe  gewöhnten.  Auf  dieser  Grundlage  hat  die  wahre  intellectuelle  Bildung
der  Massen  geblüht,  bisweilen  ohne  daß  die  Kenntniß  des  Lesens  und  Schreibens  verbreitet ­
  war,  eine  Cultur,  welche  hohe  lebensphilosophische  Ansichten  und  das  Verständniß
der  religiösen  Wahrheiten  und  Geheimnisse  in  sich  schloß,  mit  schönen  poetischen
Schöpfungen,  Volksliedern,  Heldengesängen  und  Tugendbeispielen  (in  den  Legenden  :
der  Heiligen  und  auch  in  dichterischen  Erzeugnissen)  vertraut,  bisweilen  die  Kenntniß
zweier  Sprachen  umfaßte  (in  den  Grenzgebieten,  wo  zwei  Nationalitäten  zusammenstießen ­
  oder  auch  zusammen  wohnten)  und  durch  den  Anblick  religiöser  oder  sonstiger
Schauspiele,  erhabener  Bauwerke  und  edler  Erzeugnisse  der  bildenden  Kunst  vervoll-  -
ständigt  wurde.  Solche  Zustände  kultureller  Entwicklung  fanden  sich  in  den  Ländern
verwirklicht,  wo  das  Christenthum  von  der  Bevölkerung  ernstlich  erfaßt  wurde  und
friedliche  Zustände  des  öffentlichen  Lebens  herrschten.  Ueberdies  durchdrang  die  christliche ­
  Religion,  wie  sie  Haus  und  Schule  beherrschte,  auch  die  Werkstatt  und  die  dort
ertheilte  Erziehung.  Die  Klöster  wurden  zu  großen  Mittelpunkten  gewerblichen  Lebens
und  gewerblicher  Bildung  sowie  zu  landwirtschaftlichen  Musterwirtschaften.  Das  Institut
des  Lehrlingswesens,  wie  es  sich  allmählich  in  Europa  in  allen  Gewerben  ausgestaltete,
erreichte  im  allgemeinen  seinen  Zweck,  geschickte  Arbeiter  auszubilden  und  vielfach  auch
gottesfürchtige  Bürger  heranzuziehen.
So  gut  man  aber  bei  den  mittelalterlichen  Verhältnissen  dessen,  was  man  heutzutage ­
  Volksschulbildung  nennt,  unter  Umständen  entrathen  konnte,  so  sehr  mutz  doch
im  allgemeinen  die  Nothwendigkeit  einer  solchen  betont  werden.  In  den  einfachen
Lebensverhältnissen  des  frühern  Mittelalters  mit  seinem  unglaublich  schwierigen  Verkehrswesen ­
  brauchten  Bürger  und  Bauer  nur  ein  geringes  Gebiet  wirtschaftlich  zu  überschauen. ­
  Und  wie  bitter  hat  sich  doch  auch  schon  in  den  meisten  Perioden  des  Mittelalters
  die  Unwissenheit  und  Unbeholfenheit  des  Volkes  gerächt!  Wenn  es,  wie  während
der  übrigen  Geschichtsepochen,  auch  im  Mittelalter  mehr  für  die  Bienschheit  unheilvolle
als  heilsame  Zeiten  gegeben  hat,  so  ist  das  zum  Theil  dem  ungenügenden  Unterrichte
zuzuschreiben.  Die  furchtbare  Unsittlichkeit,  welche  z.  B.  im  10.  und  11.  Jahrhundert
sowie  am  Ende  des  Mittelalters  so  traurige  Verhältnisse  in  Italien  zeitigte,  d,e  grauenvollen ­
  Zustände  des  ausgehenden  9.  und  des  10.  Jahrhunderts  in  Frankreich,  die  beklagenswerthen
  Zustände,  die  mit  wenigen  Unterbrechungen  vom  Ende  des  ersten  Drittels  des
13.  Jahrhunderts  bis  zum  Ende  der  Husitenkriege  in  einem  großen  Theile  von  Deutschlan
herrschten  und  immer  mehr  Menschen  in  Hörigkeit  und  Leibeigenschaft  versinken  ließen
atte  diese  schlimmen  Erscheinungen  wären  sicherlich  nicht  in  solcher  Stärke  aufgetreten,
wenn  die  Massen  besser  unterrichtet  gewesen  wären.  Predigt  und  Christenlehre  können
nicht  alles  erreichen.  Die  Schule  mit  ihrer  Jahre  hindurch  dauernden  Einwirkung
muß  vielfach  die  Thätigkeit  jener  zu  allen  Zeiten  zahlreichen  Eltern  ersehen,  welche
über  ihrem  Erwerbstreiben  die  Erziehung  ihrer  Kinder  vernachlässigen,  und  ein  ausgiebiger ­
  Religionsunterricht  wird  durch  eine  wahrhaft  christliche  Volksschule  wesentlich
erleichtert.  Hätten  die  Christen  der  niedern  Stände  zu  Anfang  des  16.  Jahrhundert
mehr  als  einen  oft  nur  dürftigen  Katechismusunterricht  genossen,  so  wären  nicht  s"
große  Volksmassen,  die  keine  Idee  von  der  Kirchengeschichte  und  den  Grundzügen  del
Apologetik  hatten,  ohne  es  nur  recht  zu  merken,  den  religiösen  Neuerungen  zugefķ
worden.  Und  was  die  materiellen  Verhältnisse  anlangt,  wie  hätten  die  Massen  de*
            
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