Full text: Der Wirtschaftskampf der Völker und seine internationale Regelung

' Der englische Imperialismus. 
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Das Ergebnis war jedenfalls, daß der englische Absatz in den sich 
selbst verwaltenden Kolonien, insbesondere in Kanada seit 1898 und 
in Neuseeland seit 1904, zurückging und den britischen Waren Vorzugs 
zölle gewährt werden mußten; auch der Anteil Englands an der 
Einfuhr Indiens ist in der Zeit von 1904 bis 1913 nur um 70,9 %, der 
Anteil fremder Länder dagegen um 181 % gestiegen. Die Einfuhr aus 
Deutschland nach Indien hatte sich mehr als verdreifacht, die aus 
Japan gar vervierfacht. Die Schutzzolländer (Deutschland, Frankreich, 
Rußland, Österreich-Ungarn, Italien, Holland, Belgien, Schweiz, Spanien, 
Portugal und die Vereinigten Staaten von Amerika) nahmen noch in den 
Jahren 1880—1884 42,5 % der englischen Gesamtausfuhr, im Jahre 1912 
nur mehr 34,7 % auf (Nachimson, Imperialismus 62, 63, 65, 67). 
Noch Richard Cobden hatte die ökonomische Kraft des bri 
tischen Geschäftsgeistes derart überschätzt, daß er sogar einem Verzicht 
auf die Seeherrschaft und der Einführung von internationalen Schieds 
gerichten das Wort redete. Thomas Carlyle und Robert 
S e e 1 e y haben alsdann die Idee einer zivilisatorischen W eltmission 
Englands verbreitet; aber erst nach dem Herrschaftsbeginne der kon 
servativen Partei haben Staatsmänner, wie D i s r a e 1 i und Chamber- 
1 a i n, dem unbeschränkten Ausdehnungsdrange, der zunächst nur von 
einem Teile der Presse („Jingopresse“) und dem Großkapitalismus ge 
tragen wurde, nachgegeben. Joe Chamberlain hat nicht nur Cecil 
Rhodos in seiner gewaltsamen Kolonisierung und Einigung Südafrikas 
unterstützt, er hat in seinem Programme der Imperial Federation sogar 
versucht, England zur Aufgabe des Freihandelsystems zu bestimmen. 
Sein Gedanke eines Reichszollvereines will den handels 
politischen Abschluß des britischen Weltreiches und würde damit 
den Grund zu einem dauernden Wettbewerbe aller Völker mittels 
wirtschaftlicher Gewalt legen. Trotzdem somit der j} Plan 
der Imperial Federation mit seinen Schutzzöllen, seinen militärischen 
Gedanken und seiner Ideologie eines ,Greater Britain* potentielle Angriffs- 
tendenzen unbestimmter Art beschloß“, hat man den Imperialismus für 
England nur als „innerpolitisches Schlagwort“ oder höchstens als „Me 
thode der Verteidigung“ anerkennen wollen (Schumpeter, Soziologie 
der Imperialismen 8, 11, 18). 
Im Programme der Imperial Federation tritt ebenso wie in dem 
späteren Ententeprogramme der Pariser Wirtschaftskonferenz von 1916 
die Unterscheidung von feindlichen und alliierten Völkern, 
von wirtschaftlichen Feinden und wirtschaftlichen Freunden zutage. 
Nach Einführung des Schutzzolles sollen Großbritannien und Irland den 
Kolonien für ihr Korn und für ihr Vieh eine Vorzugsbehandlung, die 
Kolonien aber dem Mutterland eine solche für seine Industrieartikel ge 
währen. Dieses System der wirtschaftlichen Bevorzugung
	        
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