Die Gewerbetreibenden.
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Nahrungs- und Genussmittelindustrie. In letzterer fehlen zwar die
Höker nicht, aber von allen Kuchen-, Pasteten-, Brötchen-, Hafer-,
Ulen- und Oblatenbäckern in Lübeck und Hamburg zeigt sich keine
Spun Auch an Häringswäschern und Stocklischweichern mangelt
es in Riga. Leder, zu dem der Rohstoff in genügender Menge im
Lande vorhanden ist, wird zwar vom (ierber hergestellt, indess ist fur
die verschiedenen Handwerker, die es verarbeiten können, als Zaum
verfertiger, Sattler, Verzierer von Pferdegeschirren der Hoden noch j
nicht geeignet. Auch weiss man von der Bereitung feinerer Leder- ;
arten, wie sie der Rotloscher, Korduaner und W'eissgerber machen,
noch nichts. Das Gleiche gilt für die Holz-, Horn u. s. w. ver-
arbeitende Industrie, die den Rohstoff in Riga aus erster Hand i
haben konnte. Der Drechsler mit seinen Angehörigen, als Bolzen-, ;
Büchsen-, Spindel- und Ringdrechslern, ist nicht vorhanden und der ,
Rosenkranzdrechsler (Bernsteindrechsler) muss sie alle ersetzen.
Statt des Bechermachers, Kleinböttchers, K y mers, Eimermachers,
d. h. des Böttchers mit seinen Unterarten, kennt man in Riga nur
den Böttcher und den Banthower schlechthin. Der Sieb-, der
Schreibpult-, der Leuchter-, der Stuhlmacher — sie sind noch nicht
geboren - und vom Kunsttischler (suiddeker) und Bildschnitzer ist
keine Rede. Die Glotzenmacherin, d. h. die Verfertigerin von Uber- j
schuhen (glotzen, franz. galoches) aus Kork und Leder', die in |
dieser Periode sich nur in Riga nachweisen lässt, wenn nicht der
Stralsunder „calopisla^‘ ein Gewerbetreibender derselben Art war,
wird man kaum als eine Specialität Rigas in Anspruch nehmen
können, zumal sie im folgenden Jahrhunderte sowohl in Lübeck als ,
in Danzig Vorkommen. In den Bekleidungsgewerben weiss man |
sich in Riga noch ohne Hut- und Handschuhmacher, ohne Kraghen- i
und Pantoffelmacher (solemeker) einzurichten, wenn auch die Gegen- |
stände, die diese Gewerbetreibenden anfertigten, nicht unbekannt
gewesen sein werden. Auch im Bauwesen scheint die Kunst nod
nicht weit gediehen, denn einen berufsmässigen Dachdecker, ge
schweige denn einen Blei-, Lehm- oder Steindecker trifft man nicht
an, sowenig wie den Maler, der Häuser zu verzieren und Schilder
kunstvoll anzufertigen verstand. Unter diesen Umständen ist eS
wenigstens erfreulich zu erfahren, dass man auf Strassen pilaster,
hoffentlich auf gutes, Gewicht legte und Pflasterer (brngger) 'tt
Nahrung setzte. Im Handel müssen der rigische Höker, Kop
1 Koppmann, Die Mannstracht der Hamliurger iin Mittelalter in ^Aus Hamburg
Vergangenheit“. Erste Folge, S. 253.