Object : Ferdinand Lassalle

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meinem  Herzen  entstand  ein  neues  Gefühl  —  das  der
liebenden  Schwester.  Ich  legte  ihm  die  Hand  auf
den  Kopf  und  weinte  leise;  ich  konnte  nichts  mehr
sagen.
Mein  Vater  umarmte  ihn  auch  mit  Tränen  in  den
Augen  und  sagte:
„Leben  Sie  wohl.  Lassalle.  Sie,  als  starker  Mann,
dürfen  den  Mut  nicht  verlieren.  Zürnen  sie  ihr  nicht,
ich  war  Zeuge  dessen,  wie  lange  sie  mit  sich  kämpfte,
ehe  sie  Ihnen  ihr  letztes  Wort  sagte.  Enden  wir  lieber.
Leben  Sie  wohl!  Morgen  mit  dem  Frühzuge  reisen
wir.  Nicht  so  wäre  ich  gern  von  Ihnen  geschieden."
„Nein,  nein!  Entführen  Sie  sie  nicht  so  unerwartet!
Lieber  morgen  mit  dem  allerletzten  Zuge.  Bringen
Sie  noch  einen  Tag  bei  mir  zu!  Lassen  Sie  sie  mich  noch
einmal  in  meinem  Hause  sehen."
„Wozu?  Lassen  Sie  uns  lieber  jetzt  scheiden,"  sagte
mein  Vater.
„Nein,  ich  gehe  nicht  fort,  bevor  Sie  mir  nicht  das
Wort  geben,  daß  Sie  meine  Bitte  erfüllen.  Das  ist  ja
eine  solche  Kleinigkeit,  bin  ich  denn  das  nicht  einmal
wert?  Auf  Ihr  Wort  baue  ich,  und  wenn  Sie  es  mir
nicht  geben,  werde  ich  die  ganze  Nacht  vo.r  Ihrer  Schwelle
liegen  bleiben!"
Wir  mußten  nachgeben  und  noch  einen  Tag  länger
in  Berlin  bleiben.
Es  war  ein  trüber,  regnerischer  Tag;  er  harmonierte
ganz  mit  unserer  Geistesstimmung.  Lassalle  kam  sehr
früh  und  führte  uns  zu  sich  nach  Hause.  Die  Mutter
Lassalles  konnte  nicht  zu  Mittag  kommen,  und  der  alte
Herr  blieb  natürlich  bei  ihr.  Ich  war  während  der  ganzen
            
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