Full text: Report from the Select Committee on Slave Trade (East Coast of Africa); together with the proceedings of the Committee, minutes of evidence, appendix and index

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Diese Tendenz realisiert sich zwar in einem gewissen Zeit 
raum oder, wie man gewöhnlich sagt, »in letzter Linie«, für die 
Industrie aber ist es vollkommen genug. Der Geldabfluß nach 
Ausland ist gewöhnlich eine Begleiterscheinung der Industriekrisen 
und in der nachfolgenden Zeit der Depression kehrt das Gold aus 
dem Auslande wieder zurück. Die Länder, die ihre Staatsfonds 
bei sich zu Hause placiert haben, können deshalb ganz ruhig eine 
automatische Wiederherstellung der Handelsbilanz abwarten und 
die Sorge um ihren positiven Charakter als etwas Ueberflüssiges 
betrachten. In einer ganz anderen Lage befinden sich die Länder 
mit einer großen auswärtigen Verschuldung, die ihre Verpflich 
tungen im Auslande plaziert haben. Rußland z. B. ist verpflichtet, 
für seine Anleihen dem Auslande jährlich etwa 200 Millionen 
Rubel zu zahlen. Ist die Zahlung nicht pünktlich erfolgt, so be 
deutet das einen Staatsbankrott. Dabei ist zu bemerken, daß der 
russische Export nach Willkür nicht zu forcieren ist, da sein Um 
fang hauptsächlich von der Ernte und sein Wert von den Welt 
marktspreisen auf landwirtschaftliche Produkte abhängig ist. Und 
zuletzt darf man nicht außer acht lassen, daß auch der Import 
nach Rußland nicht jene Beweglichkeit besitzt, die dem aus 
wärtigen Handel der fortgeschrittenen Länder eigentümlich ist. 
Die Preise werden bei uns noch immer in bedeutendem Maße von 
der Sitte reguliert und die Verminderung des Goldverkehrs im 
Lande hat deshalb eine unmittelbare Einschränkung des Imports 
nicht zur Folge. Unter diesen Umständen ist ein zielbewußtes 
Einwirken auf die Plandelsbilanz keineswegs ein »Mißverständnis«, 
sondern eine der Hauptaufgaben der Finanzpolitik. Gewiß, je 
größer der Goldvorrat im Lande, desto geringer die Gefahr unan 
genehmer Ueberraschungen. Die Anhäufung großer Goldvorräte 
in den neunziger Jahren vermochte deshalb wenn nicht ganz, so 
doch in bedeutendem Umfange den Einfluß schwächen, den dieser 
Umstand in der Zollpolitik Rußlands ausiibt. 
Wenden wir uns nun der dritten Aufgabe unserer Zollpolitik 
zu: der Förderung der Industrie. Professor Soboleff kommt in 
seiner Untersuchung zum Schluß, wonach der Zollschutz in Ruß- 
dem Stand der Handelsbilanz und dem Wechselkurs kein Parallelismus zu 
verzeichnen ist. ... Im Gegenteil, man kann eher eine umgekehrte Proportio 
nalität zwischen dem Quantum des Papiergeldes und dem Wechselkurs kon 
statieren. Je größer die Zahl des vorhandenen Papiergeldes, desto niedriger 
ist der Wechselkurs und umgekehrt.« Soboleff, 1. c. S. 411—414.
	        
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