Full text: Die Volkswirthschaftslehre

§ 75. Productionstheilung und Gebrauchsvereinigung. 165 
thuulich, welche zunächst geraume Zeit hindurch von vielen Wirth 
schaften nebenbei in ausreichender Menge abzugeben sind. Vor 
zugsweise Beschränkung auf unmittelbaren Milchvcrkauf bei der 
Rindvichhaltung z. B. ist erst möglich, nachdem der lokale Milch- 
bedarf so gestiegen, daß er sich nicht mehr nebenher, neben Butter 
fabrikation rc., befriedigen läßt. Ebenso bleibt es verwehrt, einer 
Waldwirthschaft etwa die Erziehung von Nutzholz oder gar von 
Stangen und Christbäumen rc. zur Hauptaufgabe zu machen, 
solange noch die neben Masscnerzeugung von Brennholz zu 
gewinnenden Nutzhölzer und gelegentlich herauszunehmenden 
Junghölzer den bezüglichen Bedarf überreichlich decken. 
Jngleichcn können unsichere, zeitweise sehr leicht fehlschlagende 
Productionen, z. B. Erzbergbau im Kleinen durch Eigenlöhner, 
Wein- und Hopfenban in zumal dafür ungünstigeren Lagen rc., 
nicht füglich allein betrieben werden, und ebensowenig solche, 
welche nicht stetig fortsetzbar sind. Das Nebeneinanderbetreiben 
verschiedenartiger Eriverbsthätigkeiten ist alsdann sogar förderlich, 
um die Sicherheit des Erwerbs zu erhöhen und die eigene Arbeits 
kraft vollständiger auszunutzen. 
Je ausgebildeter die Productionstheilung wird, um so 
mamiigsacher und verschlungener gliedert sich nun die ge- 
sammte Production, während zugleich manche Verzweigungen 
dieser sich infolge ihrer besonderen Abhängigkeit von bestehen 
den Productionsbedingungen und Consumtionsverhältnissen 
vornehmlich in bestimmten Oertlichkeiten landstrichsweise 
oder sogar straßenweise lokalisiren. 
Alle bei Kulturvölkern zu unterscheidende Haupterwerbszweige 
und deren Abzweigungen, so z. B. selbst die Sonderung der 
urgewerblichen Bodeubewirthschaftung in Berg-, Feld- und Wald 
bau rc., der höheren Dienstleistungen in zahlreiche Berufsarteu, 
sind ein langsam eingetretenes Ergebniß vorgeschrittenerer Pro- 
duetionstheilung. Dessen Werden läßt sich am anschaulichsten in 
den Berarbeitungsgcwerbcn verfolgen, die im Verlaufe der Zeit 
aus ursprünglich hauswirthschaftlichen Verrichtungen, z. B. dem 
Schlachten, Mahlen, Backen, Brauen rc., oder auch aus ehemaligen 
Neben- und Ausfüllungsarbeiten hervorgehen, sich allmählich 
immer weiter zerspalten und auf die Hervorbringung gleich 
artigerer Erzeugnisse einschränken. Aehulich ist der Hergang bei
	        
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