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Die Hauptstadt der Insel war Anfangs das an der Südostküste
belegene San Ingo de Cuba, welches im Jahre 1525 auch der Hauptsitz
der kirchlichen Verwaltung wurde. Später mürbe der Sitz der Regierung,
wegen der Angriffe der Seeräuber, nach Puerto del Principe in das Innere
und dann von dort nach Havana gelegt. Diesen letzteren Namen führte
ursprünglich eine an der Südküste, in der Gegend des heutigen Batabano
gegründete Niederlassung. Sie wurde 1519 von den Einwohnern verlassen,
welche sich nach der Nordküste, nach dem Porto Carenas, wandten und
diesem Drte bei ihrer Niederlassung den Namen ihres bisherigen Wohn-
platzes gaben. Bei der günstigen Lage entwickelte es sich schnell zu einem
blühenden Handelshafen. Allein schon im Jahre 1538 erlag es zum ersten
Male den Angriffen der Seeräuber. Anderthalb Jahrhunderte lang hatte
die Insel unter den fortgesetzten Plünderungen der unter dem Namen der
Flibustier bekannten Räuberhorden zu leiden. Immer und immer micber
überfielen sie die Städte, stürmten sie mit gewaffneter Hand, raubten und
plünderten alles Werthvolle, drangen bis in das Innere, brannten die
Wohnstätten nieder und nMdeten die Bewohner. Der Schrecken, den die
Flibustier durch ihre wilde Tapferkeit ltitb ihre Grausamkeit erregten, war
so groß, daß lange Zeit hindurch kein Widerstand mehr versucht wurde;
bei der ersten Annäherung der Segel floh alles in die Berge; viele ver
ließen die Insel und wanderten nach Peru, Chili oder anderswohin aus;
vergeblich suchte die Regierung der Auswanderung durch Androhung von
Strafen und Confiscationen zu steuern. Bis zum Ende des 17. Jahr
hunderts dauerte diese Plage fort. Die Südküste des westlichen Theiles
der Insel blieb in Folge der Verheerungen verlassen, bis im Jahre 1817
Clonet, mie erwähnt, zur Gründung von Cienfuegos schritt. Das 18. Jahr
hundert begann für das Mutterland Spanien mit dem bekannten Erbfolge
kriege, der schließlich die Krone an den Enkel Ludwig XIV. brachte und
demnächst auf eine Reihe unfähiger Regenten übertrug. Dieser Krieg
endete mit einem politischen und wirthschaftlichen Niedergänge, von dem
sich Spanien seither nicht wieder erholt hat. Weitere Kriege im Laufe des
Jahrhunderts folgten und wirkten nachtheilig auf die Colonicen, so auch
auf Cuba zurück. Jnl Jahre 1762 wurde Havana von den Engländern
erobert und die Insel besetzt; im folgenden Jahre jedoch gaben sie bei dem
Friedensschluß dieselbe an Spanien im Tausch gegen Florida zurück.
Als im Jahre 1717, bald nach dem Erbfolgekriege, die spanische Re
gierung den Tabakshandel zum Monopol erklärte, erregte dies die Unzu
friedenheit der Kubaner in dem Grade, daß ein schwerer Aufstand aus
brach, dessen Besiegung nur mit Mühe gelang.
Der Ausbruch der französischen Revolution im Jahre 1789 erweckte
auch in den mit Sklaven überfüllten Colonieen Westindiens ernste Unruhen,
welche in Cuba wegen der starken weißen Bevölkerung keine nachhaltige poli-